Meinung : Gastkommentar: Amerika, du hast es besser

Jacob Heilbrunn

Als George Bush Präsident wurde, war das Misstrauen in Europa ziemlich groß. Seine Pläne für eine Ausweitung der Verteidigung und für eine geringere US-Präsenz auf dem Balkan provozierten Befürchtungen, die USA tendierten wieder mal zu Isolationismus - und Bush sei ein verbohrter Konservativer. Diese Sorgen waren weit verbreitet, sehr verständlich - und völlig falsch.

Die Europäer haben den Fehler begangen, der Al Gore die Wahl gekostet hat. Sie haben Bush unterschätzt. In seinen ersten Wochen im Weißen Haus hat er bewiesen, dass er schlauer ist als viele seiner Gegner. Im Gegensatz zu Clinton in seiner ersten Amtszeit ist Bush gleich in die Offensive gegangen. Bei den Steuersenkungen wird er Kompromisse eingehen müssen, um sie durch den Kongress zu bringen. Aber was am Ende herauskommt, wird immer noch sein Programm sein, sein Markenzeichen. Das Gleiche gilt für NMD. Sollten die Russen ihre Vorschläge ernst meinen, besteht durchaus die Möglichkeit, dass Bush mit ihnen verhandeln wird, um eine friedlich-schiedliche Lösung auch für die Abrüstungsverträge zu finden. Dann wird Moskau nicht mehr opponieren. Und auf dem Balkan werden US-Truppen bleiben. Bushs Neigung zu Kompromissen zeigte sich soeben, als Blair ihn besuchte und Bush keine Einwände mehr gegen eine Europäische Verteidigungstruppe äußerte.

So ändert sich langsam der europäische Blick. Anfangs galt Bush als Schreckgespenst, jetzt begegnet man ihm mit Respekt. Wenn Bush weiterhin so erfolgreich ist, dann dürfte ein weiteres Gefühl hinzukommen: Neid. Neid auf ein Land, das Steuern senkt und gleichzeitig Geld für NMD hat - und eine prosperierende Wirtschaft. Na ja, für manche Europäer ist vielleicht gerade die Idee, dass die USA erfolgreich sind, noch schwerer zu ertragen als die Idee, dass Amerika von einem Trottel regiert wird. Wäre das der Fall, könnte der alte Kontinent sich wenigstens trösten: Europa, du hast es besser.

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