Gastkommentar : Ehrengräber für deutsche Soldaten

Wir müssen uns der Wahrheit stellen: Die Taliban führen Krieg in Afghanistan. Und den in Afghanistan Gefallenen gebührt mehr als unser Dank.

Reinhard Führer
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Foto: privat

Wir sollten gegenüber denjenigen, die in Afghanistan für Deutschland ihr Leben lassen, Verantwortung übernehmen – über den Tod hinaus. Denn das sind wir diesen Männern und Frauen, aber auch deren Angehörigen schuldig.

Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Dieser oft zitierte Spontispruch aus den Tagen der alten Bundesrepublik hat seinen Wirklichkeitsbezug verloren. Fest im Bündnis der Nato verankert und ausgestattet mit robustem UN-Mandat übernimmt Deutschland international an verschiedenen Orten Verantwortung – auch in Afghanistan. Mit dem Marschbefehl des Bundestags ausgestattet, haben sich seit mehr als einem halben Jahrzehnt deutsche Truppen als Friedensstifter und Aufbauhelfer bewährt.

Nicht allen Menschen in Afghanistan indes sind unsere Friedenstruppen willkommen. Sie werden so das Opfer eines bewaffneten Konflikts und nicht das eines Unglücks. Und doch klingen die Berichte aus dem fernen Hindukusch wie Meldungen vom Autounfall am vergangenen Wochenende. Ums Leben gekommen, getötet: Das klingt schlimm, aber immer noch verhältnismäßig friedlich, eben nach Unfall mit tödlichem Ausgang; schrecklich, normal.

Unsere mehr als 3500 Männer und Frauen in Uniform sind eben keine „bewaffneten Entwicklungshelfer“, sondern Soldatinnen und Soldaten in einem der bislang gefährlichsten Einsätze der Bundeswehr. 38 deutsche Männer, darunter drei Polizisten, haben ihren Einsatz für Freiheit und Demokratie bereits mit dem Leben bezahlt.

Nein, 35 Soldaten sind im Einsatz gefallen, denn so nennt man es, wenn ein Soldat in einem Krieg sein Leben verliert. Es ist ein Krieg in Afghanistan – vielleicht kein Krieg im herkömmlichen Sinne mit Sturmangriffen, tagelangen Trommelfeuern oder gnadenlosen Nahkämpfen, aber eben doch ein Krieg. Mögen wir auch bisher diese Bezeichnung vermieden haben, die Taliban sehen uns als Besatzer, als Feinde, und sie führen einen Partisanenkrieg. Mit ihren Mitteln, mit Anschlägen und Feuerüberfällen, mit Selbstmordattentätern und Sprengfallen. Dem sollte sich die Politik konsequent stellen. Hat nicht Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung erst kürzlich von Gefallenen und Verwundeten in Afghanistan gesprochen? Werden nicht Panzer und Hubschrauber, ja sogar Kampfflugzeuge nach Afghanistan verlegt, um der Bedrohung Herr zu werden?

Wir sollten nicht nur für die Lebenden Verantwortung übernehmen, sondern auch für die Gefallenen. Wir sind es ihnen schuldig, dass sie ein dauerhaftes Ruherecht bekommen. Es kann nicht sein, dass wir weiter den Tod eines Soldaten zu einem Berufsunfall in Afghanistan herabsetzen.

Deshalb fordert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Ergänzung des Gräbergesetzes. Denn im Gegensatz zu ihren Vätern und Großvätern, die für ein verbrecherisches Regime in den Krieg ziehen mussten, ist die Bundeswehr im Auftrag des Bundestages und der UN im Einsatz. Doch während die Gefallenen der Weltkriege nach internationalem Recht ein dauerhaftes Ruherecht haben und die Gräber über die Landesgrenzen hinaus vom Volksbund gepflegt werden, kommt dieser letzte Dienst nach aktueller Gesetzeslage den gefallenen Bundeswehrangehörigen nicht zu.

Bisher werden die in Friedenseinsätzen Gefallenen überführt und auf Kosten der Bundeswehr beerdigt sowie die Grabstelle, je nach Satzung für 25 oder 30 Jahre, bezahlt. Für die Grabpflege sind jedoch allein die Angehörigen zuständig. Selbstverständlich hat die Familie das Recht zu entscheiden, wo die Gefallenen beerdigt werden sollen, und selbstverständlich hat sie das Vorrecht, sich um das Grab zu kümmern. Falls die Familie dazu jedoch nicht in der Lage ist oder es wünscht, sollte der Staat diese Aufgabe auf Dauer übernehmen.

Der Autor ist Präsident des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Präsident a. D. des Berliner Abgeordnetenhauses.

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