Gastkommentar : Ein Zwischenruf zur Islamkonferenz

Dass bei der Deutschen Islamkonferenz gleich zwei große Dachverbände der Muslime fehlen, macht aus der Veranstaltung einen Gipfel der Abwesenden.

Barbara John

Am Montag beginnt die zweite Runde der DIK, der Deutschen Islamkonferenz. Doch diesmal ist vieles anders als bei der Premiere. Inzwischen wurden neue muslimische Mitglieder berufen und der Bundesinnenminister heißt nicht mehr Wolfgang Schäuble, sondern Thomas de Maizière. Eben neue Leute in neuen und alten Ämtern. Dass aber zwei große Dachverbände der Muslime fehlen – der Zentralrat und der Islamrat (sie vertreten etwa die Hälfte der Moscheegemeinden in Deutschland von insgesamt 2500) –, macht aus der Konferenz einen Gipfel der Abwesenden.

Es kommt aber noch dicker: Am runden Tisch wird diesmal mit der Türkischen Gemeinde Deutschland eine Organisation sitzen, die mit dem Islam als Religionsgemeinschaft so viel zu tun hat wie etwa der Verein Deutsche Sprache mit dem Christentum. Nichts gegen diese Organisation als Interessenvertretung türkischer Einwanderer. Nur, was ist ihre Rolle in der Islamkonferenz, wo es doch darum gehen soll, die Zusammenarbeit zwischen staatlichen deutschen Stellen, den Muslimen und auch ihren Organisationen zu stärken und auszubauen? Türkische Muslime aber werden in der DIK bereits durch die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) vertreten, umfassend und direkt.

Das Bundesinnenministerium stempelt durch die Berufung der Türkischen Gemeinde auch die erklärtermaßen „säkularen“ türkischen Einwanderer zu Muslimen, die diese Rolle erfreut annehmen. Was hat sich der Gastgeber dabei nur gedacht? Wissen die ministeriellen „Experten“ nicht, dass sie damit unbeabsichtigt die Idee türkischer Nationalisten übernehmen, Türke und Muslim sein gehörten zusammen wie Pech und Schwefel? Anstatt dieser Zwangsvorstellung entgegenzutreten, wird sie indirekt bestätigt.

Kennen sie nicht die ausgrenzenden Folgen dieser Gleichsetzung, die viele Andersgläubige in der Türkei und auch in arabischen Ländern in Bedrängnis bringt? Und wie soll sich ein europäischer beziehungsweise deutscher Islam entwickeln, wenn die hiesigen Muslime von der Herkunftsnationalität und -kultur her betrachtet werden? Warum schaut denn kaum jemand auf junge Gläubige, die hier aufgewachsen sind? Ihre religiöse Praxis und auch ihre Einstellungen lösen sich dramatisch schnell von den kulturellen Traditionen der Auswanderungsländer. Sie wollen nicht mehr als Türken oder Araber angesehen werden, sondern als Muslime in Deutschland. Diese Generation braucht hier Anerkennung und Halt, nicht aber in der Kultur ihrer eingewanderten Großeltern.

22 Kommentare

Neuester Kommentar