Meinung : Gastkommentar: Franzosen in die Küche, Briten an die Front

Roger Boyes

Es sind nervöse Zeiten. Frankreich und Deutschland sind erbost über kranke EU-Kühe, der Kontinent ist angespannt wegen der Auszehrung des Euro - und die Engländer? Sie zittern vor der Euro-Armee. Tony Blair, klar, der hält sie für eine gute Sache: als eines der letzten Mittel, mit denen England noch Einfluss ausüben kann. Die Zeitungen dagegen sorgen sich: Die EU-Truppe führe zum Konflikt mit der Nato, den USA.

Die wahren Bedenken sind banaler: Die Engländer hassen die Vorstellung, unter einem deutschen General zu dienen. Das ist blöd, und ich versuche meine Kollegen in London zu überzeugen, es sei nicht schlimm, Befehle von einem Deutschen in Uniform anzunehmen. Erstens sehen Deutsche in Uniform einfach gut aus. Darum trägt jederman auf Berliner Parties Jil Sander. Auch Hugo Boss hat schon immer etwas am Military-Look gefunden. Zweitens ist das Ganze nicht nur eine ästhetische Frage. Die Briten fühlen sich so, als hätten sie die meiste Zeit des 20. Jahrhunderst gegen die Deutschen gekämpft (eigentlich gilt das nur für die erste Hälfte, aber die Zeit nach 1945 war für die Generation unserer Väter wie eingefroren).

Ein gebelltes "Yes, Sir" an Rainer Schuwirth würde den Briten in den Hälsen stecken bleiben. Deshalb haben die Euroskeptiker dem deutschen General den Krieg erklärt. Seit der letzten Woche recherchiert "Daily Mail" den Lebenslauf von Schuwirths Vater. War er ein Nazi? Das wäre perfekt.

Das sind politische Spielchen. Die Wahrheit ist: Englische Soldaten haben deutsche Soldaten immer respektiert. Als Student habe ich einige Zeit in Altersheimen verbracht und die immer gleichen Geschichten gehört: Die Hunnen waren hart aber fair, fast alle ehrenwerte Männer in Kriegen, die manchmal ziemlich schmutzig waren. Einige der verlässlichsten englisch-deutschen Beziehungen sind die zwischen Soldaten. Soldaten haben viele englisch-deutsche Ehen geschlossen. Manchmal glaube ich, wir sind das einzige Land in der Welt, das Preußen noch immer bewundert.

Die Pläne zur Einigung Europas sind in sich unstabil. Das fehlende Vertrauen in den Euro spiegelt diese Unsicherheit. Aber mit der europäischen Armee verhält es sich anders. Dort geht es darum, ernste europäische Probleme illusionslos zu lösen. Kommuniziert wird ohne Floskeln. Das können Soldaten besonders gut. Aber bitte erwarten Sie nicht, dass Briten Befehle von einem französischen General annehmen. Seit Charles de Gaulle haben wir eine Allergie gegenüber Männern mit dieser Kopfbedeckung. Die ideale Europäische Armee, das sind Italiener in der Nachhut, Franzosen in der Kantine, Deutsche im Planungsstab, Engländer und Schotten an der Front - und die Frau des Schweizer Botschafters als Maskottchen.

Der Autor ist Korrespondent der britischen Zeitung "The Times".

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