Gastkommentar : Ist Gott Allah?

Islam und Christentum sollten sich respektieren, nicht bekämpfen.

Aiman A. Mazyek
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Foto: dpa

Die Debatte in Malaysia hat auch erstaunliche Parallelen in Deutschland: Christliche Fundis wettern wie ihre Glaubensvetter: ausschließend, verletzend und aggressiv. Das Oberste Gericht in Kuala Lumpur hatte am 31. Dezember entschieden, Allah sei das allgemeine arabische Wort für Gott und nicht exklusiv für den Islam. Mit dem Urteil endete ein mehr als zweijähriger Rechtsstreit zwischen der katholischen Kirche Malaysias und der Regierung des Landes über die Verwendung des Wortes Allah.

Zur Erinnerung, weil es auch hierzulande immer noch nicht so bekannt ist: Arabische Christen rufen seit jeher in der arabischen Welt ihren/unseren Gott selbstverständlich mit „Allah“ an. Wieso also die ganze Aufregung?

Die Geschichte ist insofern bemerkenswert, weil sie sehr deutlich macht, dass eine fundamentalistische Auslegung der Religion exklusivistisch und verletzend ist und es sogar sein soll, indem sie aggressiv gegen andere Religionen oder Nichtreligionen auftritt.

In Europa und speziell in Deutschland wird leider immer häufiger und militanter von christlich fundamentalistischen Kreisen und Gruppen versucht, Identität durch Abgrenzung zu den Muslimen zu erzeugen und zwar ähnlich wie in Malaysia mit der Diskussion um Gott/Allah – nur in umgekehrter Stoßrichtung versteht sich.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und rechte Hardliner Martin Hohmann ist da ein beredtes Beispiel dafür. Er behauptete doch allen Ernstes, Allah wäre eine „altarabische Naturgottheit“ und die Muslime glauben nicht an den Gott der Christen. Diese These findet sich heute in vielen einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetforen und Publikationen als „Wissen“ über den Islam wieder.

Es gehört allgemein zum Fahrplan und Weg der Rechten, dass sie über diese Themen weiter versuchen, die Muslime in diesem Land zu marginalisieren. Schade nur, dass auch manch kirchliches Oberhaupt in etwas schwachen Minuten diese Diskussion missverständlich aufgegriffen hat. So zum Beispiel die heutige EKD-Chefin, damals noch Hannoveraner Bischöfin, Margot Käßmann, als sie in einem Zeitungsartikel verlauten ließ: „Gott ist nicht Allah.“

Motiv und Motivation bei all diesen Geisterdebatten ist die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten. Der nächste Schritt ist dann nicht mehr weit: Gegenüber dem Fremden muss zur Verteidigung des eigenen Glaubens geschritten werden, denn er unterwandert diesen ja. Und schon befindet man sich in einer destruktiven Abwehrschlacht. In so einer Phase sagt übrigens der Koran zu den Muslimen: „Euch eure Religion und uns unsere Religion“ (Koran: Sure 109, Vers 6). Ich würde mir wünschen, dass wir Muslime diese Gelassenheit öfter an den Tag legen würden.

Der Imam Mohd Tamyes Abdul Wahid in Malaysia rechtfertigte die Proteste mit den Worten, Muslime müssten immer zur „Verteidigung ihrer Religion“ bereit sein. In radikalen Internetblogs in Malaysia schüren Scharfmacher die Stimmung gegen andere ethnische Gruppen und Religionen. Angriffe und Schändungen auf Kirchen sind nun die Folge. Sie sind eine Schande für jeden Muslim und in aller Schärfe zu verurteilen! Die Rhetorik in den Foren dort kommt einem seltsam bekannt vor, wird sie doch jeden Tag in den eben zitierten einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetblogs gegen die Muslime verwendet.

Dort, wo der Hass gegen die Muslime geschürt wird und wo bisher der Verfassungsschutz kaum etwas anzufangen wusste, wenn wieder einmal die Würde des Menschen (Artikel 1 des Grundgesetzes) mit Füßen getreten wird, wenn die Religionsfreiheit (Artikel 4) gerade mal wieder zum hunderttausendsten Mal für die Muslime exklusiv infrage gestellt wird.

Die Vorgänge in Malaysia zeigen in der Tat frappierende Parallelen und Ähnlichkeiten zu der Diskussion, die wir hierzulande haben. Religion – „Din“ wie es im Arabischen heißt – taugt aber nicht für eine Abwehrschlacht. Religion sollte praktisches Bekenntnis sein, dass wir Menschen unseren einen Schöpfer, ob er nun Jehova, Gott oder Allah heißt, erkennen mögen und ihm dienen.

Und letztlich ist es Allahs Entscheidung, sein Wille, der Wille des Erhabenen, wohin die Reise gehen soll. Warum spielen sich manche Anhänger der Religionen als Richter auf und nicht als seine Diener? Warum füllen wir nicht viel lieber unser Glaubensbekenntnis mit „La illaha illallah“ (es gibt keine Gottheit außer Gott) einfach in praktischer Weise mit Leben?

Warum können wir nicht (allesamt Juden, Christen, Muslime) die Lessing’sche Gelassenheit an den Tag legen, zu dem uns der Koran (Sure 5, Vers 48) ermuntert: „Und hätte Gott es gewollt, Er hätte euch – Juden, Christen und Muslime – zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch wollt Er euch prüfen in dem, was Er jedem von euch gab. Wetteifert darum in den guten Taten.“

Der Autor ist Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

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