Meinung : Gastkommentar: Kohl und Bismarck, Marx und Hegel

Jacob Heilbrunn

Da bleibt nur der Rückgriff auf Karl Marx angesichts der Tumulte in der Berliner Politik nach Helmut Kohls Ankündigung, er wolle nochmal als Parteisoldat gegen die PDS kämpfen. Marx meinte: Die Geschichte wiederholt sich nicht - es sei denn, als Farce. Armer Herr Kohl! Als promovierter Historiker hätte er das bedenken können. So wird der Altkanzler seinen Ruf nicht rehabilitieren, so macht er sich lächerlich. Dem Ringen im Kalten Krieg nimmt er die Tragweite, wenn er nun die Gefahr der PDS so maßlos übertreibt. Heute wäre die Einbeziehung der PDS in die Berliner Regierung keine Weltrevolution mehr. Sie wäre eine logische Konsequenz der Einheit.

In Polen und anderen Staaten Mitteleuropas sind aus Ex-Kommunisten verlässliche Demokraten geworden - falls sie je Kommunisten waren, was manchmal fraglich ist. Warum sollte das in Deutschland anders sein? Die PDS im Berliner Senat wird weder große innen- noch außenpolitische Wirkung haben. Wenn sie mitregiert, muss sie Verantwortung übernehmen. Gut möglich, dass man dadurch eine Partei mit einer unakzeptablen Vergangenheit legitimiert. Aber je länger sie in der Regierung bleibt, desto mehr wird sie sich von ihren Fundis distanzieren.

Außerdem gehört es sich, dass in der früheren Hauptstadt des Bismarck-Reiches realpolitisch entschieden wird. In diese Kategorie fällt auch eine Koalition mit der PDS. Die Stadt kann kaum schlechter regiert werden als bisher. Und die lange Erfahrung der PDS und ihrer Vorgänger, wie man Geld aus Westdeutschland erpresst, kann Berlin nur helfen. Berlin braucht Geld. Insofern spricht alles für die PDS. Tut mir leid, Herr Kohl, wenn Sie daran schwer zu schlucken haben. Und wenn Sie Marx nicht mögen: Es gibt andere kluge - und für Sie: gute - deutsche Denker. Auf den Aufstieg der PDS würde Hegels Wort passen: eine List der Geschichte.

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