Gastkommentar : Lieber ein starker Euro – ohne die Griechen

Das Haushaltsdefizit der Hellenen ist auf 13 Prozent des Bruttosozialproduktes gestiegen und eine von der Bevölkerung getragene Stabilitätspolitik in weiter Ferne. Der EU stehen keine wirtschaftspolitischen Zwangsmittel zur Verfügung, doch wenn Athen aus der Reihe tanzt, schadet das allen.

Alexander Gauland

Man muss schon in die Zeiten des attisch-delischen Seebundes und des Peleponnesischen Krieges, also fast 2500 Jahre zurückgehen, um einer ähnlich kühnen Herausforderung athenischer Politik zu begegnen. Damals verlegte das perikleische Athen die Kasse der Bundesgenossen kurzerhand von Delos nach Athen, um seiner Schulden Herr zu werden, diesmal nimmt Griechenland die ganze Eurozone als Geisel für seine verfehlte Politik.

Es galt lange Zeit als ausgemachte Grundtatsache der Finanzpolitik, dass eine Währungsunion ohne gemeinsame Wirtschafts- und Stabilitätspolitik nicht funktionieren könne, dass man also mit der Währungsunion aus Furcht vor einem übermächtigen Deutschland den zweiten Schritt vor dem ersten getan habe. Bis heute hat die Praxis diese Theorie nicht bestätigt, da die Angehörigen des Währungsverbundes aus Eigeninteresse auf Stabilität achteten, die einen, die zweimal inflationsgeschädigten Deutschen etwas mehr, die anderen, die Franzosen und Italiener mit einer anderen fiskalischen Tradition etwas weniger. Doch dieses Mehr oder Weniger blieb trotz Wirtschaftskrise und Anpassungsschwierigkeiten im Rahmen einer das Vertrauen in den Euro nicht erschütternden Bandbreite.

Dies ist nun anders geworden. Das Haushaltsdefizit der Hellenen ist auf 13 Prozent des Bruttosozialproduktes gestiegen und eine von der Bevölkerung getragene Stabilitätspolitik in weiter Ferne. Nun mag Griechenland mit einer Wirtschaftsleistung nicht viel größer als der Hessens nicht der währungspolitische Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt, das Beispiel, der Anschauungsunterricht ist es schon. Denn wenn die EU den Griechen erlaubt, aus der Reihe zu tanzen, wie soll sie es dann den Franzosen, Spaniern oder Italienern verwehren?

Es mag ja sein, dass es seit Perikles’ Abgang und mehr noch seit der osmanischen Fremdherrschaft für die Griechen viele Gründe gibt, ihrem Staat zu misstrauen. Doch das gilt für den italienischen Süden auch und für Spanien nach den Habsburgern und Franco nicht minder. Jedes Volk, jeder Staat trägt eine historische Last, doch nur die Griechen haben sich den Beitritt zum Euro 2001 mit gefälschten Daten erschlichen. Es mag den übrigen Europäern schwer fallen, ausgerechnet die nominalen Träger ihrer Kultur daran zu erinnern, dass nach dem berühmten Wort eines preußischen Bankiers beim Geld die Freundschaft aufhört. Doch besser ein starker Euro ohne Griechenland als ein schwacher für alle.

Jetzt rächt sich eben doch, dass der zweite Schritt vor dem ersten getan wurde, dass der EU keine wirtschaftspolitischen Zwangsmittel zur Verfügung stehen und folglich nur die Amputation die Entzündung des ganzen Körpers verhindern kann. Denn schließlich wollen die übrigen Europäer nicht so enden wie Athen damals vor 2000 Jahren: mit dem Verlust der Unabhängigkeit, der Abschaffung der Demokratie und wirtschaftlichem Ruin.

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