Gastkommentar : Tempelhof braucht einzigartige Ideen

Für Tempelhof werden Scouts gebraucht, die weltweit nach dem besonderen Projekt suchen. Unser Autor Volker Hassemer fordert eine große Idee für das Areal. Hätte man einen besonders großen Brillanten, würde man ihn auch nicht zerteilen, nur um ihn Stück für Stück besser an den Mann bringen zu können.

Volker Hassemer

Beim Flughafen Tempelhof geht es darum, das große, großartige Gelände mit einem ebenso großen und großartigen Projekt zu verbinden. Das klingt erst einmal einfach, ist aber sehr anspruchsvoll. Hätte man einen besonders großen Brillanten, würde man ihn auch nicht zerteilen, nur um ihn Stück für Stück besser an den Mann bringen zu können. Das aber scheint der Senat vorzuhaben. Auch wer noch so formschön und am Rande die ersten Stücke anzuknabbern beginnt, weiß nicht, ob dies nicht gerade den großen Wurf stört oder gar verhindert.

Bei einem solchen Gelände gilt ein zweiter Grundsatz: Dort sollte nichts gebaut werden, was man auch an anderen Stellen Berlins bauen kann. Auf diesem einzigartigen Gelände darf nur eine einmalige Projektidee verwirklicht werden. Der Flughafen Tempelhof ist einzigartig: in seiner Größe, in seiner Gebäudekonstruktion, in seiner historischen Beladenheit. Wir haben in der Mitte Berlins eine Chance, nach der sich andere Metropolen die Finger lecken würden.

Dazu genügt ein reaktives („Call for ideas“) Vorgehen nicht. Wir brauchen die aktive Suche nach den Projektideen weltweit. Wir brauchen Scouts, die in der Wissenschaft, der Kultur, der Wirtschaft solche Projekte aufspüren. Denen müssen wir Tempelhof anbieten.

Solche Projekte gibt es. Allein die European Roadmap for Research Infrastructures weist zig Projekte auf, jedes davon mit einem Volumen von mehreren hundert Millionen Euro. Natürlich sind die meisten schon verortet und natürlich werden die meisten auf den Flughafen Tempelhof nicht passen. Aber wir brauchen ja auch nur genau das eine Projekt, das eine Möglichkeit wie das Flughafengelände in Tempelhof „sucht“.

Der Vorschlag von Volkwin Marg für ein Flughafenmuseum geht in die richtige Richtung. Aber er ist nur ein Anfang. Warum sollte man nicht den Versuch unternehmen, die großen Fluggerätehersteller, die Fluggesellschaften dieser Welt, dafür zu gewinnen, den Flughafen Tempelhof zu „ihrem“ zentralen Platz zu machen: Als Museum, aber auch als Platz der Präsentation neuester Flugkörper und gewagtester Erfindungen. Tempelhof als ein Ort für den „Traum vom Fliegen“ und alle, die damit zu tun haben.

Wenn Berlin mit Tempelhof offensiv verfahren würde, wäre dies auch ein gutes Zeichen, was in Berlin noch möglich ist. Dass es sinnvoll ist, Berlin „auf dem Schirm“ zu haben, wenn es um Investitionen und Standorte geht. Gefragt ist also eine sehr gezielte Anstrengung, eine Offensive. Nicht gefragt ist dagegen Ungeduld, das „Verscherbeln“ an den Nächstbesten bzw. in kleinen Häppchen, die das große Gelände im Ergebnis Stück für Stück klein machen.

Es ist gut, ein großes Projekt für Tempelhof mit einem großen Namen („Einstein“) zu verbinden, wie es Peter von Becker (Tagesspiegel vom 7. Dezember 2008) getan hat. Aber das Beispiel Humboldt-Forum zeigt: Dort hat der Name das Projekt bisher noch nicht auf Flughöhe der Brüder Humboldt gebracht. Merke: So groß der Name, so groß muss die Anstrengung sein, um das nach ihm benannte Projekt mit Inhalt zu füllen.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin

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