Gedenken an Benno Ohnesorg : Eine deutsche Oper

Eine krumme Geschichte. Berlins Polizeipräsident lässt am 40. Jahrestag des Todes von Benno Ohnesorg an der Deutschen Oper einen Kranz niederlegen – aber die Intendantin möchte nicht, dass der Ort nach dem Mann benannt wird, der am 2. Juni 1967 durch eine Polizeikugel starb. Ohnesorg hatte an einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in der Oper teilgenommen. Danach war in West-Berlin, in der gesamten Bundesrepublik nichts mehr wie zuvor. Ohnesorgs Tod, der wie eine Hinrichtung wirkte, führte zur Militarisierung der Linken, bis hin zur RAF. Die Geste von Polizeipräsident Dieter Glietsch nötigt Respekt ab, die Haltung der Opernchefin schmeckt feige. Und sie erinnert an den „Idomeneo“-Skandal, als Kirsten Harms, vom Senat schlecht beraten, wegen einer angeblichen Terrordrohung eine Mozart-Inszenierung absetzte. Für deutsche Geschichte hat die Intendantin der Deutschen Oper viel übrig, wenn sie in weiter Ferne spielt, sie grub ein Werk namens „Germania“ aus, da geht’s um die Befreiungskriege gegen Napoleon. Mutig! Nun plädiert sie dafür, den Tatort an der Oper nach Götz Friedrich zu benennen, dem langjährigen Herrscher der Bismarckstraße. Doppelt geschmacklos: Götz Friedrich genoss als Regisseur Weltruhm, als Generalintendant war er mitverantwortlich für den Niedergang des Opernhauses, der bis heute nicht gestoppt wurde. R. S.

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