Meinung : Gefängnis für Angeklagte im Fall Jonny K. Viereinhalb Jahre für Haupttäter Onur U.

Berlin - Zehn Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf den 20-jährigen Jonny K. am Berliner Alexanderplatz hat das Landgericht die sechs Schläger zu Haftstrafen verurteilt. Der 20-jährige Onur U. sei der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig, befanden die Richter am Donnerstag. Gegen ihn wurden viereinhalb Jahre Jugendhaft verhängt. Die fünf weiteren Angeklagten im Alter zwischen 19 und 25 Jahren wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Haftstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Die Jugendstrafkammer des Landgerichts blieb mit dem Urteil unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die für Onur U. fünfeinhalb und für seine Komplizen Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren gefordert hatte. Die Anklage war dennoch zufrieden. Ähnlich äußerte sich die Nebenklage. „Ich bin froh, dass sie alle Haftstrafen bekommen haben“, sagte Tina K., die 28-jährige Schwester des Opfers. Der Anwalt von Onur U. kündigte an, in Revision zu gehen.

Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte das Urteil ein „wichtiges Zeichen, dass die Täter nicht frei nach Hause gehen“. Innenpolitiker Benedikt Lux (Grüne) bezeichnete es als angemessen, „da der Tatverlauf nicht vollkommen aufgeklärt werden konnte“. Der Senat müsse nun ein Konzept vorlegen, wie belebte Umsteigebahnhöfe sicherer gemacht werden können – etwa mit mobilen Wachen.

Jonny K. war mit Freunden unterwegs, als sie in der Nacht zum 14. Oktober 2012 grundlos attackiert wurden. Der gelernte Boxer U. habe ihm den ersten Faustschlag versetzt, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck. Dadurch aufgestachelt hätten sich alle anderen Angeklagten sukzessive beteiligt. Jonny K. wurde so heftig attackiert, dass er stürzte. Er sei noch am Boden getreten worden. Kurz darauf starb er an starken Hirnblutungen. Es sei unklar, ob Jonny K. durch den ersten Faustschlag, Tritte gegen den Kopf oder den Sturz tödlich verletzt wurde, sagte Schweckendieck. Auch wer getreten hat, müsse offen bleiben.K.G./tabu

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