Meinung : Gefahr von innen

Blair bleibt unter Druck – auch ohne politischen Gegner

Matthias Thibaut

Noch immer strahlt Tony Blair, nimmt zwei Stufen auf einmal und verkündet „Jetzt Umkehren wäre Selbstmord“. Aber jeder sieht, wie angeschlagen er nach über sechs Jahren im Amt ist. Bombenanschläge im Irak; eine Partnerschaft mit den USA, die sich zur Belastung entwickeln könnte; Europa, wo er den Anschluss an die deutsch-französische Vorhut zu verlieren droht. Und zu Hause haben Gewerkschaften und Parteilinke eine Frontaloffensive auf seine Reformpolitik eröffnet; Rentner treten in den Steuerstreik, weil sich Labour als Steuerpartei erweist, ohne dass die Menschen sehen, wofür. Sogar alte Lieblingsprojekte der Linken wie das Verbot der Fuchsjagd oder die Reform des Oberhauses treten auf der Stelle. Von Lord Hutton war noch nicht einmal die Rede. Mag Blair auch mit einem blauen Auge davon kommen, wenn Hutton das Ergebnis seiner Untersuchung über die Irakdossiers und den Selbstmord des Waffeninspekteurs Kelly fällt – das Vertrauen der Briten in ihren Premier ist dahin.

Seit dem Irakkrieg ist nichts mehr, wie es war. Die meisten Labourwähler, das bestätigten die Nachwahlschlappe in Brent East und eine Umfrage der „Times“, fühlen sich jetzt bei den Liberaldemokraten besser aufgehoben. Blair, sagen sie, sei ihnen zu weit nach rechts abgedriftet. Aber eine echte Alternative zu Labour gibt es auch nicht. Wäre jetzt Unterhauswahl, würde sich gar nichts ändern: 40 Prozent würden Labour, 31 Prozent die Konservativen und nur 21 Prozent die Liberaldemokraten wählen, die einfach als Protestpartei gelten, so eine andere aktuelle Meinungsumfrage. Das ergäbe, nach dem britischen System, eine handlungsstarke Labourregierung.

Wäre die logische Konsequenz da nicht: weiter mit Labour, aber ohne Blair? Viele Genossen träumen ja schon lange davon, dass Schatzkanzler Gordon Brown die Partei entschlossen nach links rücken könnte. Aber auch wenn man Brown beim Labour-Parteitag nächste Woche scharf beobachten wird – eine Palastrevolte nach dem Modell Thatcher scheint ausgeschlossen. Auch Labour weiß, dass bei den Konservativen nach dem Meuchelmord an Thatcher der parteiinterne Bürgerkrieg ausbrach. Bleiben die letzten Tage der Regierung Major als Alternativmodell übrig: Angefeindet innen und außen, immer manövrierunfähiger dümpelte die Regierung damals vor sich hin. Bis der junge Strahlemann Tony Blair kam und dem Spuk ein Ende machte.

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