Meinung : Gegen alles führt zu nichts

Ulrike Fokken

Es ist Krieg. Die Bilder aus Afghanistan gleichen sich seit Wochen, die Aufnahmen aus den Zelten der Flüchtlingscamps erhellen nicht gerade den trüben Eindruck, den Europäer von dem Land haben. Wir wissen wenig über Afghanistan und die dortigen Zustände und noch weniger über den Krieg, seine Strategien, Ziele, Folgen und Opfer. Als einzig Eingeweihte dürfen das Kanzleramt und das Auswärtige Amt gelten.

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Das Nichtwissen führt nun offensichtlich unter den Deutschen zwar bei einem großen Teil zur Ablehnung des Krieges - wie Umfragen bestätigen. Aber das Unbehagen an den Militäraktionen führt diesmal eher zu Resignation und Apathie, nicht zu Massenprotesten: Nicht mehr als vier- oder fünftausend Menschen sind am Sonnabend in Berlin gegen den Krieg auf die Straße gegangen. Wer nicht gerade ideologisch zum Widerstand verpflichtet ist, also die Anhänger von PDS und linken Splittergruppen, nutzte den sonnigen Tag für ihm sinnvoller erscheinende Dinge.

Aber die Abstinenz am Widerstand kann nicht nur am Unwissen liegen, obwohl das eine gewisse deutsche Tradition hat. Das Fernbleiben von der groß angelegten Demonstration spiegelt gleichermaßen die Stimmung in der Gesellschaft und unter den Organisatoren der Proteste wider. Nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September taugen die USA nicht mehr als zentrales Ziel der Proteste - wie noch im Golfkrieg, als man den Amerikanern vorwarf, nur wegen der eigenen Ölinteressen zu agieren.

Und warum sollen die Skeptiker oder gar Gegner des Krieges gleichzeitig gegen die Welthandelsorganisation, die Globalisierung und den Kapitalismus an sich demonstrieren? Zu diesem Schulterschluss zwingen jedoch die Demo-Organisierer alle Mitlaufenden.

Nicht jeder Gegner von Kampfeinsätzen der Bundeswehr ist gleichzeitig für die Kontrolle des Kapitalverkehrs. Das eine mag mit dem anderen zusammenhängen, wie eben Wirtschaft und Politik nicht voneinander zu trennen sind. Niemand jedoch wird mit dieser Analogie die Massen auf die Straße bringen. Schon gar nicht die PDS, schon gar nicht der linke Rand.

Dabei bleibt ihnen unbenommen, dass sie sich überhaupt trauen, was die Kriegskritiker in SPD und CDU, FDP und Grünen nicht schaffen: Ihr Gesicht zu zeigen.

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