Meinung : Gegen frühkapitalistische Unternehmenskultur

„Rebellion und Kalkulation“ vom 18. März

Glücklicherweise zweifeln heute nur noch notorische Machos, ein paar Stammtischbrüder und vielleicht der Papst daran, dass wir Frauen Chefaufgaben genauso gut wahrzunehmen verstehen wie Männer. Eine Erkenntnis, die übrigens vor der Wende in Ostdeutschland bereits deutlich weiter verbreitet war als heute im vereinigten Land. Die eigentliche Frage ist doch, was können wir Frauen an der Spitze von großen Unternehmen besser machen als Männer, insbesondere wenn es um unternehmerische Ethik, Betriebsklima und das soziale Miteinander geht. Seit Jahren werden in der zur Bauer Media Group gehörenden Magdeburger Tageszeitung „Volksstimme“ exzessives Outsourcing, systematisches Lohndumping und eine unerträgliche Beschneidung der betrieblichen Mitbestimmung betrieben.

An Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teilzeitarbeitsplätze für junge Mütter und Väter sowie Frauen als Geschäftsführer oder Chefredakteur ist überhaupt nicht zu denken. Wenn Veränderung an der Spitze eines Konzerns lediglich im Wechsel des Geschlechts besteht, mag sie vielleicht einer öffentlichen Erwähnung wert sein, aber bestimmt keiner besonderen Wertschätzung. Es wird Zeit, dass sich bei Bauer nach dem Personalwechsel an der Spitze auch die frühkapitalistische Unternehmenskultur ändert. Sollte Frau Bauer dafür streiten, hätte sie nicht nur die

Betriebsräte im Konzern ganz gewiss an ihrer Seite.

Bettina Koch, stellv. Betriebsratsvorsitzende der „Volksstimme“, Magdeburg

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