Meinung : Geiselnahme in der Türkei: Der vergessene Krieg

cvm

Dieses Geiseldrama endete rasch und unblutig. Das darf aber kein Grund sein, zur Tagesordnung überzugehen - schon gar nicht am Jahrestag der Geiselnahme von Jolo: Das wochenlange Zittern um die deutsche Familie Wallert bleibt eine Mahnung, wie unvermutet vergessene Regionalkriege das Leben unschuldiger Urlauber verändern können. Den 16 Deutschen unter den 120 Geiseln in einem Istanbuler Hotel blieb das Schicksal der Wallerts erspart. Doch das verdanken sie weder Sicherheitsvorkehrungen der Tourismusbranche noch dem umsichtigen Kriseneinsatz einer Spezialeinheit. Zum Glück der Opfer gingen diese Täter nicht so brutal und rücksichtslos vor wie die Kämpfer beider Seiten in Tschetschenien - die Geiselnahme bleibt gleichwohl ein Schwerverbrechen. Die Kidnapper beschränkten sich darauf, den vergessenen Krieg im Kaukasus in Erinnerung zu rufen. Eine Mahnung an Russland, dass der Konflikt militärisch nicht zu gewinnen ist. Und eine Warnung an den Westen. Müssen sich Geiselnahmen westlicher Touristen durch Tschetschenen erst wiederholen und hinziehen wie das Jolo-Drama, ehe das große Nachdenken einsetzt, ob es nicht doch mehr und andere Mittel gibt, Moskau zum Ende der Gewalt zu drängen?

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