Geld für die Raumfahrt : Peters Mondfahrt

Wirtschafts-Staatssekretär Peter Hintze wünscht sich eine deutsche Mondmission - als Konjunkturprogramm für die deutsche Raumfahrtindustrie. Aber wären die 350 Millionen Euro nicht besser im Straßenbau und in den Krankenhäusern aufgehoben?

Ein Kommentar von Hartmut Wewetzer

W irtschafts-Staatssekretär Peter Hintze ist eigentlich nicht als mondsüchtiger Träumer bekannt. Umso mehr verwunderte es, dass der Raumfahrtbeauftragte der Bundesregierung im Tagesspiegel eine deutsche Mondmission befürwortete – als Konjunkturprogramm für die deutsche Raumfahrtindustrie.

Wie kann man nur auf die Idee kommen, in diesen Krisenzeiten zum Mond fliegen zu wollen! Sollte man die für die Mission vorgesehenen 350 Millionen Euro nicht besser im Straßenbau, in Krankenhäusern, im notleidenden Finanzsektor unterbringen? Der Mond dagegen, der ist weit weg. Trotzdem: Es gibt gute Gründe für eine deutsche Mission zum Mond.

Über Jahrzehnte war es ruhig um den Erdtrabanten geworden. Nach den Stippvisiten der amerikanischen Apollo-Astronauten erlosch das Interesse der Öffentlichkeit am Mond weitgehend. Dafür nährte der Mars Fantasien und Spekulationen. Forscher sinnierten anhand rätselhafter Spuren in einem Marsmeteoriten darüber, ob das irdische Leben seine Wurzel auf diesem Planeten hatte. Eine wenn auch dünne Atmosphäre und Hinweise auf Wasser rückten schließlich eine bemannte Mission in fast greifbare Nähe. Mittlerweile kennen die Planetenforscher den Mars besser als den Mond. Lange Zeit galt die Devise: Je weiter ein Planet entfernt ist, umso reizvoller ist seine Erkundung.

Doch das Blatt hat sich gewendet. In den letzten Jahren begann ein regelrechter Wettlauf zum Mond. Japan, China und Indien schickten unbemannte Sonden. Die USA, China und Russland wollen zudem wieder Astronauten auf den Mond schicken. Wie immer in der Raumfahrt wird nicht jeder dieser Pläne umgesetzt werden. Aber fest steht, dass der Mond wieder ein begehrtes und prestigeträchtiges Reiseziel geworden ist. Wer ihn nicht anfliegt, riskiert, seinen Platz in der ersten Liga der Weltraumnationen zu verlieren. Es ist bezeichnend, dass sich die Großmächte von heute und morgen darum reißen, ihre Claims auf der Oberfläche des Erdsatelliten abzustecken. Vielleicht verbergen sich unter dem Geröll wertvolle Rohstoffe. Sie könnten einmal sehr wichtig werden. Nicht in zehn, aber vielleicht in 100 Jahren.

Doch in erster Linie geht es bei den heutigen Mondmissionen um pure Erkenntnis. Es gilt, große Wissenslücken zu schließen. Über die Beschaffenheit des Mondes, über die Geschichte und Zukunft des Sonnensystems und nicht zuletzt die unseres eigenen Planeten. Schließlich ist der Mond oder zumindest ein großer Teil von ihm nach der heute vorherrschenden Theorie einmal bei der Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper herausgesprengt worden. Der Mond war also Teil unseres Planeten. Aber selbst das weiß man bis heute nicht genau.

Die Oberfläche wie die Gesteinsschichten des Mondes bergen entscheidende Informationen zu diesen Fragen. Für ihre Aufklärung ist eine Kartierung des Mondes, wie sie die im Sommer gestoppte deutsche Mondmission „Leo“ vorsieht, ein wichtiger Mosaikstein. Wenn „Leo“ nun doch abhebt, dann hätte sogar die Wirtschaftskrise noch ihr Gutes. Sie hätte unseren kosmischen Horizont erweitert.

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