Meinung : Geld von der Wand

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Zwanzig Millionen Euro ist eine Summe, bei der jeder Stadtkämmerer weich wird. Zwanzig Millionen Euro könnte der Verkauf eines Gemäldes von Claude Monet einbringen, das im Museum der Stadt Krefeld an der Wand hängt. Und das Haus ist marode. Was also läge näher, als die fällige Grundsanierung mit dem profitablen Bilderverkauf zu finanzieren? Solche Gedankenspiele greifen in deutschen Ländern und Kommunen zunehmend Platz. Meist geht es scheinbar nur darum, den Depotbestand zu „evaluieren“. So direkt wie in Krefeld waren die Behörden bislang noch nicht, aber die Zeichen weisen in dieselbe Richtung: abstoßen, was nicht unbedingt nötig ist, was vielleicht nur im Keller verwahrt wird. Aus gutem Grund haben sich die deutschen Museen in einem „Ehrenkodex“ gegen solche Zugriffe verwahrt. Denn das Vertrauen von potenziellen Stiftern lässt sich nur erlangen, wenn ihnen die Museen Aussicht auf Dauerhaftigkeit versprechen können. Für die wiederkehrenden Haushaltsnöte zu spenden, kommt keinem Mäzen in den Sinn. Die öffentlichen Träger missachten jedoch ihren Auftrag, wenn sie Museumsbesitz als Verfügungsmasse behandeln. Es verhält sich genau umgekehrt: Die Sammlungen sind dem Träger nur anvertraut, damit er sie auf Dauer der Öffentlichkeit bewahre. Dafür übernimmt der Träger den Unterhalt ihrer Behausung, ohne alle Begehrlichkeiten. Krefeld ist ein Warnsignal. BS

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