Meinung : Gelegenheit macht Teuro

Carsten Brönstrup

Wird der Euro zum Teuro? Seit ein besonders kreativer Zeitgenosse vor einigen Monaten diese schlimme Wortwendung erfunden hat, herrscht unter vielen Verbrauchern Inflations-Panik: Kaufhäuser, Bäcker, Supermärkte und Fleischer nutzen die Einführung des neuen Bargeldes zu klammheimlichen Preiserhöhungen, so argwöhnten viele. Zu Recht, denn so mancher hat im neuen Jahr beim Einkauf den Taschenrechner gezückt und den Händler dabei erwischt, wie er die Umrechnung von D-Mark in Euro dazu missbrauchen wollte, dem Konsumenten tiefer in die Tasche zu greifen. Das treibt die Preise in die Höhe. Nun warnen die Experten auch noch, dass die Geldentwertung zum Konjunkturkiller werden könnte. Grund: Je höher die Inflation, desto geringer die Kaufkraft der Bürger. Mit der Kaufkraft schwindet auch die Binnennachfrage. Sorgt der Euro also dafür, dass der Aufschwung in weite Ferne rückt? So schlimm wird es nicht kommen. Zwar kann die Inflation einige Wochen lang auf bis zu drei Prozent ansteigen, auch wegen der Steuererhöhungen und der witterungsbedingt höheren Lebensmittelpreise. Bald danach wird sich die Teuerungsrate aber wieder auf Normalmaß, also bei zwei Prozent, einpendeln. Dafür spricht Vieles.

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Die Welle der Preiserhöhungen wird ein einmaliges Ereignis bleiben. Denn der als besonders preissensibel bekannte deutsche Verbraucher wird die Verkäufer schon bald zu Preiszugeständnissen zwingen. Der Wettbewerb ist hart, die Gewinnmargen sind gering - Händler, die an ihren neuen Mondpreisen festhalten, riskieren Umsatzeinbußen. Gleich nach Neujahr hat denn auch der Preiskampf der großen Supermarkt-Ketten wieder eingesetzt. Kleinen Einzelhändlern oder Gastwirten kann man es also umso weniger vorwerfen, wenn sie im Verlauf der Bargeld-Umstellung versuchen, sich Luft zu verschaffen. Zudem bringt der Euro auch Entspannung an der Preisfront. Denn er führt dazu, dass die Verbraucher in Europa die Preise bequemer vergleichen können. Sie können unter mehreren Anbietern auswählen als früher - und dort kaufen, wo es am wenigsten kostet.

Inflationsschübe sind auch von anderer Seite nicht zu erwarten. Weil die Konjunktur weiterhin schwächelt und die Nachfrage gering ist, sind Preisschübe unwahrscheinlich. Deshalb steht auch nicht zu befürchten, dass Öl und Benzin teurer werden und, wie 2001, über höhere Preise an der Zapfsäule die Geldentwertung angeheizt wird.

Allein die Gewerkschaften sind ein Risiko: Beharren sie in der anstehenden Tarifrunde wegen der Inflation auf ihren Lohnforderungen, gerät der Geldwert tatsächlich in Gefahr. Denn dann müssten die Unternehmen ihre Preise erhöhen, um mit den gestiegenen Kosten fertig zu werden. Deshalb sollte der Kanzler im Bündnis für Arbeit die Gewerkschaften zum Maßhalten bewegen - sonst wird der Euro doch noch zum Teuro.

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