Meinung : Gemälde - ausgesperrt bis zum Sankt Nimmerleinstag

Berichterstattung über den Auszug der Gemäldegalerie und die Staatlichen Museen

Mit Entsetzen vernahm ich, dass der Bundestag 10 Millionen Euro für den Umbau des Gebäudes der Gemäldesammlung freigegeben hat. Ich habe nicht gelesen, dass für einen Neubau der Gemäldesammlung die Millionen bereits geflossen sind. Ist der Wettbewerb für den erhofften Neubau am Kupfergraben etwa schon gelaufen? Seit Jahren kann man die Bagger im Schlamm der Museumsinsel wühlen sehen, ohne dass die ersehnte James-Simon-Galerie emporwüchse. Wann soll denn das neue Quartier für die alten Gemälde bereitstehen? Wie soll die Sammlung der älteren Gemälde gezeigt werden? Schlimmes ist zu befürchten: Man wird die High Lights in das Bode-Museum stopfen, der Rest verschwindet in irgendwelchen Magazinen – für Jahre. Wir haben das schon einmal erlebt, als für die Sammlung Berggruen ein Haus gesucht wurde. Flugs flog die Antikensammlung aus ihrem langjährigen Domizil in Charlottenburg und verschwand für Jahre im Magazin. Schon jetzt ist die Ausstellungspolitik der Gemäldegalerie fragwürdig, z. B. verschwindet der Maler Adam Elsheimer in diesen drittklassigen Ausstellungsräumen im Keller oder im Magazin. Ältere Besucher und Freunde der Gemäldegalerie, Leute, älter als siebzig Jahre, können sich ausmalen, dass sie viele Bilder nie mehr sehen werden, wenn das Museumskarussell erst einmal in Gang gesetzt wird.

Andreas Franz, Berlin-Charlottenburg

Ich bin erschüttert über den Beschluss der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, große Teile der Gemäldegalerie, „unseres Louvres“, ins Depot zu stecken und den Rest im Bode-Museum zu präsentieren, in den Räumen der Skulpturengalerie. Das Ganze wird verbunden mit dem vagen Versprechen, einen Galerieneubau gegenüber dem Bode-Museum zu errichten, „langfristig (deutlich nach 2018)“, wie Staatsminister Neumann dankbar deutlich sagt. Ich befürchte, von diesem Versprechen ist genauso viel zu halten, wie von anderen Aussagen der letzten Jahre: 2009 hat Prof. Parzinger erklärt, es sei gegenwärtig „vordringlich, die Gemäldegalerie an ihrem derzeitigen Standort zu stärken“. Anfang 2010 hat er angekündigt, dass bei der Sanierung der Neuen Nationalgalerie „eine baulich bereits bei ihrer Errichtung vorbereitete Erweiterung im Untergeschoss ins Auge gefasst“ wird. Damit wäre ja wohl genügend Platz für eine „Galerie der Moderne“ gewonnen. Warum wurde diese von ihm angekündigte Planung nicht weiterverfolgt? Stattdessen wird nun die brutale Lösung gewählt: Die Alte Kunst verliert einen kompletten großen Standort und die Moderne gewinnt dadurch noch einen weiteren Standort hinzu, den vierten seit 1996 nach Hamburger Bahnhof, Sammlung Berggruen und Sammlung Scharf-Gerstenberg. Dies ist alles andere als eine Rochade, ein Stellungswechsel. Das kommt eher einem Schachmatt nahe. Ich, Anfang 60, werde mich wohl bald für den Rest meines Lebens von vielen Lieblingen in der Gemäldegalerie verabschieden müssen – es ist eine Schande.

Wolfgang Gülcker, Berlin-Schöneberg

Was sich in den letzten Jahrzehnten in Berlin bei den Staatlichen Museen abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung. Man kann den Eindruck bekommen, dass es den diversen Generaldirektoren mehr um ihre Selbstdarstellung bzw. ihre Vorlieben, als um die Sammlungen ging. Wenn man keinen Erfolg mit einer ständigen Ausstellung hat, zieht in Berlin das Museum einfach um! Das Ethnologische Museum von Dahlem in das architektonische Stilmöbel nach Berlin-Mitte. Das Museum hat so wenig Besucher, dass der Betrieb eigentlich eingestellt werden müsste. Das liegt nicht an den hervorragenden Sammlungen und der Lage des Museums! Die Gemäldesammlung soll aus der Gemäldegalerie am Kemper Platz in ein neues Museum an der Museumsinsel umziehen. Das Haus wurde aber speziell für die Sammlung gebaut. Auch hier sind die Besucherzahlen ernüchternd. Wenn alles neu geordnet ist, werden die Besucher durch die Museumsinsel „geschleust“. Wer solche Vokabeln benutzt, kann es weder mit den ihnen anvertrauten Sammlungen noch den Besuchern der Museen gut meinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass keiner gemerkt hat, dass eine Ausweitung der Flächen für Dauerausstellungen nicht automatisch zu einem erhöhten Besucheraufkommen führt. 40 Jahre alte Dauerausstellungen sind einfach überholt. Die Museen sollten sich auf das von Herrn Parzinger ausgerufene Ziel „Mehr Forschung“ konzentrieren und weniger bauen. Mehr Sonderausstellungen, weniger Dauerausstellungen und mehr wissenschaftliche Mitarbeiter, kann ein Weg sein, die Idee des öffentlichen Museums für das 21. Jahrtausend weiterzuentwickeln.

Kilian Klann, Brieslang

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