General Ashfaq Kiyani : „Vergesst eure Rivalität und steht zusammen“

Effektiv und verschwiegen: Der Vizearmeechef Pakistans ist ein westlich orientierter Krisenmanager.

Ruth Ciesinger

Er könnte bald die mächtigste Institution Pakistans anführen, am Montag hat er schon einmal den Posten des Stellvertreters angetreten. Ashfaq Kiyani, bisheriger Chef des mächtig-berüchtigten Geheimdienstes ISI, ist nun offiziell Vizearmeechef unter General Pervez Musharraf – der sich gerade am Samstag als Präsident des Landes hat bestätigen lassen.

Kiyani gilt als effektiv und verschwiegen, Qualitäten, die dem 55-Jährigen als Chefspion seines Landes zugute kamen und ihm schon zuvor Musharrafs Aufmerksamkeit sicherten. In seinen Memoiren „In the Line of Fire“ beschreibt der Präsident, wie Kiyani nach den knapp gescheiterten Anschlägen auf Pakistans Alleinherrscher im Jahr 2003 die Ermittlungen in die Hand nahm. Kiyani, damals Chef des wichtigen Corpskommandos von Rawalpindi, führte die verschiedenen Dienste, Polizei und Armee trotz diverser Animositäten zu erfolgreicher Zusammenarbeit, was Musharraf in seiner Biografie mit dem knappen Zitat oben würdigt. Und Kiyani wird gerühmt, als „Operational Commander“ der Armee in den kritischen Monaten von Oktober 2001 bis Sommer 2002 entscheidend dazu beigetragen zu haben, dass der damalige Konflikt zwischen den Atommächten Pakistan und Indien nicht zum echten Krieg wurde. In die Zeit fällt auch der US-Einmarsch in Afghanistan, Kiyani arbeitete hier aktiv bei gemeinsamen Militärstrategien mit den Amerikanern zusammen.

Kiyani ist ein westlich orientierten Krisenmanager, der zwar kein persönlicher Freund, aber ein Vertrauter Musharrafs sein soll. Als solcher hat er zuletzt offenbar die Verhandlungen mit Pakistans früherer Regierungschefin Benazir Bhutto über deren Rückkehr aus dem Exil geführt. Bhutto – deren Vizeverteidigungsminister Kiyani einst gewesen ist – soll den schwächelnden Musharraf unterstützen und zum Dank dafür ein drittes Mal Premier werden, so der Plan.

Und Kiyani eigentlich Armeechef. Zwar hatte Musharraf seit seinem Putsch von 1999 schon oft angekündigt, die Uniform abzulegen, doch vergangene Woche hatten seine Anwälte klargemacht, wenn er als Präsident bestätigt werde, trete er vom Armeeamt zurück. Jetzt aber will das Oberste Gericht noch einmal darüber entscheiden, ob Musharraf überhaupt zur Präsidentenwahl hätte antreten dürfen. Bei einem Nein wird der General den Posten des Armeechefs wohl kaum aufgeben. Das wiederum wäre für Ashfaq Kiyanis bisher steile Karriere ein eher unerwartetes Hindernis. Ruth Ciesinger

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