General Motors : Auf dem Gaspedal

General Motors erholt sich und Obama hofft auf Dividende. Nur Opel hat davon wenig.

von

Es wird wieder Gas gegeben in Detroit, in der ramponierten Motor City im US-Staat Michigan: General Motors (GM), vor einem Jahr tief in der Insolvenz festgefahren, ist auf dem Rückweg an die Börse. Die Wall-Street-Banken, ebenfalls Überlebende der Krise, reißen sich darum, das Comeback provisionspflichtig zu begleiten. GM empfiehlt sich Investoren mit einem Quartalsgewinn von 1,3 Milliarden Dollar. Die Opel-Mutter, eben noch Sinnbild für Milliardenverluste und Massenentlassungen, ist wieder da. Nach der Krise, die das Schicksal von Opel auf die politische Tagesordnung brachte, wirkt der Autohersteller stärker als je zuvor. Dass Opel mit einer (von den Wettbewerbshütern gerügten) lebenslangen Garantie wirbt, passt zum Bild, das das Unternehmen gerne von sich zeichnet. Alles Show? Ein Wunder? Oder doch politisches Kalkül?

Es wäre naiv zu glauben, GM hätte es allein aus eigener Kraft und Kreativität geschafft, seine Autos wieder weltweit zu verkaufen. Die US-Regierung hat mit 50 Milliarden Dollar diesen Erfolg im vergangenen Jahr gekauft. Washington wurde zum Großaktionär von GM. Und wenn sich die von Barack Obamas Beratern installierten Automanager in Detroit nicht dumm anstellen, dann könnte sich die Investition gelohnt haben.

Denn so schnell, wie der Autokonzern die öffentlichen Kontrolleure wieder loswerden will, so schnell könnte die US-Regierung die (verzinsten) Steuergelder wiedersehen. Gelingt der Börsengang, hätte Washington aber nicht nur finanzielle Sicherheit. Im November sind Kongresswahlen. Würde GM an der Börse ein Erfolg, könnten die Demokraten hoffen, aus ihrem Formtief zu kommen. Streng genommen wird deshalb nicht in Detroit, sondern in Washington Gas gegeben. Daniel Akerson, der am Freitag vorgestellte neue GM- Chef, ist ein Gesandter der Regierung. Er rechnet scharf und soll jetzt damit die Kapitalmärkte beeindrucken. Vom Autogeschäft hat er wenig Ahnung.

Ein Glück für GM, dass das Kerngeschäft wieder fast wie von selbst läuft. Die jüngsten Zulassungszahlen zeigen, dass die Amerikaner wieder spritschluckende Pick-ups und Geländewagen kaufen. In China profitiert GM von der ungebremsten Nachfrage nach Automarken aus den USA und Europa.

Allein Opel hat von all dem wenig. Stabilität und Wachstum in Detroit sind hilfreich für die europäische Tochter. Aber deren Autos müssen sich auf einem gesättigten Markt verkaufen, und das funktioniert mehr schlecht als recht. Im ersten Halbjahr verlor GM mit Opel/Vauxhall 637 Millionen Dollar. An der Notwendigkeit einer Sanierung hat sich nichts geändert. Sie wird vielleicht etwas weniger drastisch ausfallen als befürchtet. Statt 8000 Stellen werden wohl ein paar weniger gestrichen.

Für die Opelaner zahlt sich dabei aus, dass sie clever verhandelt haben. GM muss Zusagen einhalten, die in der Krise gegeben wurden – und notfalls sogar zahlen. Das war in der Vergangenheit anders. In Detroit galt wenig, was in Rüsselsheim gedacht wurde. Diesmal haben es die Beschäftigten schriftlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar