Meinung : Genialer Taktiker, schlechter Stratege

NEUWAHLEN IN ISRAEL

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Ariel Scharon tut, was er kann. Als Panzergeneral wurde er berühmt für seine Überraschungsangriffe, die Taktik der ständigen Verunsicherung des Feindes. So hält es Scharon auch in der Politik: Sowohl die Arbeitspartei als auch sein interner Rivale Benjamin Netanjahu hatten in den letzten Tagen rasche Neuwahlen gefordert. Statt sich im Büro des Premierministers einschließen, tut Scharon das unerwartete – und stimmt zu. Der Premier behält so das Heft des Handelns in der Hand. Er lässt sich von den Radikalen nicht erpressen. Und kann sich den Wählern als Mann der Mitte präsentieren. Meinungsumfragen sagen seinem Likud einen Wahlsieg voraus, sprechen aber auch davon, dass eine überwältigende Mehrheit der Israelis für die Aufgabe der meisten Siedlungen ist. Die von den Radikalen verlangte siedlerfreundliche Politik hätte Scharon also nur Stimmen gekostet und der Arbeitspartei Angriffsfläche geboten. Zudem muss Netanjahu sich jetzt in die Übergangsregierung einbinden lassen – als Untergebener, nicht als konkurrierender General. Scharon hat sich wieder als Meister der Taktik erwiesen. Was er allerdings mit einer zweiten Amtszeit anfangen will, weiß keiner. Denn dem General fehlt das, was nach der Taktik kommt – eine Strategie. Zum Frieden. clw

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