Meinung : Genug geschluckt

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Bisher hat sich der Staat immer um die schönen Seiten des Sports gekümmert, er hat Athleten gefördert und ihre Erfolge als Belege nationaler Leistungsfähigkeit verkauft. Endlich nimmt er sich jetzt auch der dunklen Seite an: Doping soll per Gesetz verfolgt werden. Es ist die richtige Reaktion auf eine lange Kette von Entwicklungen. Sport wird für die Gesellschaft immer wichtiger, der Betrug nimmt zu, die Methoden der Betrüger werden raffinierter, der Sport wirkt damit überfordert. Entscheidend ist nun, dass der Staat nach dem Willen der Koalition nicht nur gegen die Hintermänner durchgreifen soll, also Trainer, Ärzte und Dealer, sondern auch gegen den Athleten. Denn auch der Besitz von Dopingmitteln wird im Arzneimittelgesetz verboten – der Athlet bleibt daher nicht von der Strafverfolgung verschont. Die Zukunft der Dopingbekämpfung sieht so aus: Bei Verdacht beginnt die Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Findet sie beim Athleten größere Mengen verbotener Substanzen, verurteilt ihn der Staat. Findet sie kleinere Mengen, verhängt der Sport eine Strafe, meistens eine Wettkampfsperre. Der entscheidende Fortschritt ist, dass der Staat künftig bei Dopingverdacht mit einem großem Arsenal an Methoden ermitteln kann, mit Hausdurchsuchungen und Telefonüberwachungen, sogar das Bundeskriminalamt soll zum Einsatz kommen. Das Kräftemessen zwischen Dopingtätern und Dopingjägern findet unter besseren Regeln statt, der Ausgang ihres Vergleichskampfs ist wieder offen. teu

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