Meinung : „George Bushs Passivität ist ein Ärgernis“

Christoph von Marschall

Ist es nur ein neuer Verkaufstrick oder echtes Umdenken? George W. Bush macht einen Mann zu seinem Sprecher, der ihn in jüngerer Zeit mehrfach scharf kritisiert hat. „Kein Präsident hat so lange so machtlos ausgesehen“, sagte Tony Snow Ende September. Und zuvor über Bushs Ausgabenpolitik und Rekorddefizite: „Der Junge kann einfach nicht Nein sagen.“ Snow ist der Erste im innersten Zirkel der Macht, der kein alter Bekannter Bushs ist. Die Personalie soll zeigen: So offen ist das Weiße Haus – und so offen der Präsident gegenüber Kritikern.

Politisch bleibt Bush beim Bewährten: Der 50-Jährige hat verlässlich republikanische Ansichten. Er war zuletzt Talkshow-Moderator in Radio und Fernsehen des konservativen Senders Fox News. Den Journalismus hat Snow bei US-Regionalzeitungen gelernt, in Südstaaten wie im Norden. Vater Bush diente er von 1991 bis 93 als oberster Redenschreiber.

Die Bilder von den Briefings im Weißen Haus ändern sich: Ein sportlich schlanker Mann mit kantigen Zügen ersetzt den rundlicheren Scott McClellan. Snows Erfolg hängt davon ab, ob er mehr Freiheit bekommt als sein Vorgänger. Das White House Press Corps ist eine stolze Kaste. Es will mehr hören, als auf dem Sprechzettel steht.

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