George Osborne : „Wir haben das Volk auf unserer Seite“

Eine Regierung dürfe ihren Erfolg nicht daran messen, wie viel Geld sie ausgebe, findet George Osborne. Ob sein Sparkurs in Großbritannien auf Zustimmung stößt, ist jedoch zweifelhaft.

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Der britische Schatzkanzler George Osborne glaubt die Zustimmung der Briten zu seiner Austeritätspolitik zu haben.
Der britische Schatzkanzler George Osborne glaubt die Zustimmung der Briten zu seiner Austeritätspolitik zu haben.Foto: Reuters

Als 16-Jähriger hörte er die Haushaltsrede des damaligen Schatzkanzlers im Schulbus mit dem Transistorradio. Nun hat er seit über zwei Jahren selbst diesen Job und ist erst 41 Jahre alt – der jüngste britische Finanzminister seit 130 Jahren. Aber sein Alter hindert George Osborne nicht daran, als eiserner Schatzkanzler mit grimmigem Blick das Staatsschiff durch die Klippen eines Haushalts zu steuern, den sich Großbritannien längst nicht mehr leisten kann. Vor allem nicht den unter Labour um 75 Milliarden Pfund gestiegenen Sozialetat, wie er beim Tory-Parteitag in Birmingham wetterte: „Wir zerstören den Mythos der Linken, dass der Erfolg einer Regierung in den Pfunden gemessen wird, die wir ausgeben.“

Osbornes Problem: Sein Sparen reicht nicht, weil das Wachstum zu schwach ist. Die Kürzungen müssen bis 2018 anhalten, weit über die nächste Wahl hinaus. Schuldige fand Osborne genug. Ölpreis und Rezession, die Eurokrise. Auch sei der Wirtschaftsschaden, den Labour hinterließ, „viel größer als gedacht“ gewesen. „Aber wir werden den Job durchführen, den wir begonnen haben“, versprach Osborne. Die „Daily Mail“ gab ihm nun einen Spitznamen, der auf seine Zeit als Student in Oxford und auf den Barontitel anspielt, den er einmal erben wird: „Der eiserne Dandy.“

Es waren aber auch Osbornes eigene Fehler, die die jüngste Talfahrt der britischen Regierung eingeleitet haben. Seine Senkung des Spitzensteuersatzes zerstörte im Frühjahr das wichtigste Gut der Regierungskoalition aus Tories und Liberaldemokraten: Den Konsens, dass Sparen richtig ist, wenn die Lasten auf alle Schultern verteilt werden. Die Labour-Opposition punktete in den vergangenen Monaten mit dem Vorwurf, die Tories seien doch die Partei der Privilegierten und sanierten den Haushalt auf dem Rücken der Schwachen.

Osborne bleibt unbeirrt. Die Koalition unterstütze die „Strebenden“ aller sozialen Schichten. Jungen Leuten, die nie gearbeitet haben, will er nun das Wohngeld streichen – sollen sie doch bei ihren Eltern wohnen. Und wenn sich strebsam arbeitende Familien dreimal überlegen, ob sie sich Kinder leisten können, warum sollten Sozialhilfeempfänger dann unbesehen Unterstützung für Kinder bekommen, für die sie nicht bezahlen können?, fragte er.

„Wir haben das britische Volk auf unserer Seite“, behauptete Osborne. 2015, wenn gewählt wird, wird man es sehen. Matthias Thibaut

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