Meinung : Gerechte Bewertung

„Linke Leugner / Können Sahra

Wagenkecht und Katja Kipping noch

nach Polen, Tschechien und Ungarn?“

von Malte Lehming vom 14. Juni

Endlich ist die Katze aus dem Sack, und wir dürfen im zwanzigsten Jahr der deutschen Wiedervereinigung unsere Ostbiografie wegschmeißen! Und sollte Joachim Gauck am Ende neuer Bundespräsident werden, wird sich zeigen, ob er als notorischer Nestbeschmutzer oder als Versöhnungsfigur handelt. Wir werden sehen.

Malte Lehming schreibt: Katja Kipping „hält gar die Gleichsetzung von linkem und rechtem Totalitarismus für falsch und eine ,Verharmlosung des Hitler-Regimes‘“. Recht hat sie! Das Hitler-Regime dauerte genau zwölf Jahre, hat 55 Millionen Tote auf dem Gewissen und wirkt mit seinen Verbrechen bis heute stark nach. Es ging aus demokratischen Wahlen hervor, hatte keine unmittelbar bedrohlichen Feinde und terrorisierte nicht nur ganz Europa, sondern auch die eigene Bevölkerung, stufte die gesamte Menschheit in Wertigkeitsgrade ein und wollte eine ganze Nation – die Juden – ausrotten. Welch „erhabene“ Zielstellung! Man konnte dieselbe übrigens vor dem 30. Januar 1933 im Parteiprogramm der NSDAP nachlesen. Hätten’s die doofen Deutschen doch wenigstens getan; uns wäre viel Leid erspart geblieben …

Die kommunistischen Regierungen von Lenin bis Mao und Kim Il Sung hatten seit Machtantritt potenziell Auseinandersetzungen mit inneren und äußeren Gegnern. Das hat sie hart und brutal gemacht und Millionen Tote sind zu beklagen, allerdings eine Größenordnung weniger. Insofern sind sie mit den Nazis nicht vergleichbar. Zudem war die systematische Vernichtung innerer oder äußerer Gegner nicht ihr Programm. Und Kriege haben weder die untergegangene Sowjetunion noch China vom Zaun gebrochen.

Totalitarismus hat immer eine Ursache: Wenn Machthaber in der Erhaltung ihrer Macht gestört werden, greifen sie zu brutalen Methoden. Die Nazis hat keiner gestört. Sie haben von selbst losgetreten. Sie wollten Rache für den Versailler Vertrag üben. Die Kommunisten wurden ständig gestört – von innen wie von außen – und sind dabei im Laufe der Jahrzehnte immer brutaler geworden, um ihre echten oder vermeintlichen Gegner zu bekämpfen. Diese Dialektik wird im Westen lediglich nicht verstanden!

Wenn Polen, Tschechien und Ungarn die Leugnung kommunistischer Verbrechen heute unter Strafe stellen, ist das nur eine sehr verständliche Reaktion den Opfern gegenüber. Diese drei ehemals kommunistischen Staaten haben nachvollzogen, was in Deutschland durch die Arbeit der Gauck-Behörde bereits geleistet worden ist.

Aber Joachim Gauck selbst hat vielleicht in Kürze die Chance, auch den Totalitarismus für alle Deutschen gerecht zu bewerten.

Gottfried Vogel, Teltow

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