Geschlechterauswahl bei Facebook : Mann, Frau und die 50 anderen

Auf der englischsprachigen Version von Facebook kann man nun zwischen 50 Geschlechtsidentitäten wählen. Ob "Genderqueer", "Cisgender male" oder "Non Binary": Die Klärung dieser Begriffe setzt eine Art Bachelor- Studium voraus, meint unser Autor.

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Eine von vielen Auswahlmöglichkeiten. Erklärungen gibt es leider keine.
Eine von vielen Auswahlmöglichkeiten. Erklärungen gibt es leider keine.Foto: screenshot

Viele halten die „Gender Studies“ mit ihrer Idee, dass es nicht nur Männer und Frauen, sondern alles Mögliche dazwischen gibt, für Junk Science, zu deutsch: Gaga-Wissenschaft. Andere sehen es als Weg zur Befreiung von den Fesseln einer falschen Identität an. Ich will das hier nicht debattieren, denn es ist auch gar nicht mehr nötig: Eine große, wirklich sehr große Institution hat das Konzept akzeptiert und damit praktisch unzerstörbar gemacht. Es handelt sich um Facebook.

Die englischsprachige Version des Netzwerks bietet den Nutzern nämlich künftig an, sich nicht länger als „Mann“ oder „Frau“ zu definieren, sondern aus einer Liste zu wählen – und diese Liste enthält 50 verschiedene Geschlechtsidentitäten. Zwecklos, alle zu erklären oder auch nur zu erwähnen, aber vielleicht mag eine kleine Auswahl weiterhelfen: Cisgender Female, MTF, Neutrois, Trans Person (auch mit Stern in der Mitte), Transmasculine und Two Spirit.

Die Qual der Identitätswahl

Ja, wo sich einordnen? Die Klärung dieser Begriffe setzt eine Art Bachelor- Studium voraus; allein eine Frage wie jene, ob „Non Binary“ und „Genderqueer“ das Gleiche bedeuten, scheint allerhand anstrengende Diskussionen ausgelöst zu haben. Facebook hat offenbar auch keine eigenen Recherchen angestellt, sondern sich mit „Aktivisten“ getroffen. Jenen Menschen also, die immer so tun, als wären sie hundert Millionen, auch wenn sie vielleicht nur hundertfünf sind.

Möglicherweise trägt Facebook ja nun zur Klärung bei. Da sind gut eine Milliarde Mitglieder unterwegs, mehr als beim ADAC, und selbst wenn wir mal annehmen, dass sich nur ein Teil dieser Milliarde in seiner sexuellen Identität zu outen wünscht und ein weiterer Teil sich einfach aus Jux für „genderqueer“ oder „cisgender male“ erklärt, bleibt ja doch eine beachtliche Menge übrig.

Dabei fällt dann sicher auch ein wenig Lebenshilfe ab für uns Außenstehende, die das Konzept nicht wirklich verstehen, aber zu den Aktivisten nett sein wollen. Spricht man beispielsweise jemanden, der sich für „neutrois“ erklärt, mit „es“ an? Wer sich erinnert, wie intensiv in Kreuzberg über die Einführung geschlechtsneutraler Toiletten debattiert wurde, fragt sich vermutlich auch, ob bald in jedem öffentlichen Gebäude 50 verschiedene notwendig sind – oder einige Gruppen doch zusammengefasst werden können?

Ach, hier übrigens: Der Hersteller des russischen Wodkas „Stolichnaya“ hat die Lesben- und Schwulenszene in seinem Land mit 110 000 Euro unterstützt. Das ist auf jeden Fall eine gute Nachricht. Schon, weil Putin sich bestimmt drüber ärgert.

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