Meinung : Geschwindelt, nicht gelogen Die Rentenkasse führt die Versicherten an der Nase herum

Ursula Weidenfeld

Die gute Nachricht ist, dass die Rentenversicherer sagen, sie hätten die Versicherten nicht an der Nase herumgeführt. Die schlechte Nachricht ist, dass sie zugeben mussten, die Beitragszahler über die tatsächliche Höhe ihrer zu erwartenden Renten nicht vollständig zu informieren. Den Unterschied zwischen der guten und der schlechten Nachricht konnte gestern niemand erklären. Tatsache ist, dass die Rentenversicherer ihre Beitragszahler mit Informationen versorgen, die sie selbst für problematisch, weil zu optimistisch halten.

Die Renteninformationen werden auf Geheiß der Bundesregierung verschickt, damit jeder Beitragszahler erkennt, wie wenig Rente er später einmal bekommt – und entsprechend viel spart oder privat vorsorgt. Wer aber heute knapp bei Kasse ist und dann eine Information bekommt, die ihm eine schmale, aber immerhin auskömmliche Rente in Aussicht stellt, der wird die private Vorsorge um ein paar Jahre vertagen.

Die Rentenversicherer sagen, es könne sich doch jeder selbst an fünf Fingern abzählen, dass die Zahlen nicht stimmen können – das macht die Sache nicht besser. Das Gesundheitsministerium sagt, man solle die Informationen nicht zu ernst nehmen, weil sie ja noch in einem Erprobungsstadium seien – das macht sie schlimmer. Es zeigt, wie locker immer noch mit den Ängsten der künftigen Rentner umgegangen wird.

Die äußerst vorläufigen Renteninformationen zeigen zudem, welchen Illusionen sich diese Bundesregierung hingibt: Glaubt wirklich jemand an Lohnzuwächse von drei Prozent im langjährigen Durchschnitt? Sind 1,5 Prozent realistisch? Wahrscheinlich nicht: Denn eine alternde Gesellschaft erwirtschaftet weniger Produktivitätszuwachs. Experten sind sogar einigermaßen sicher, dass Wachstum und Produktivität zumindest phasenweise abnehmen werden. Das macht das Rätselraten darüber, woher die Lohnsteigerungen kommen sollen, nicht einfacher.

Nun könnte man sagen, das treffe auch auf alle anderen Vorsorgearten zu: Ein Haus findet möglicherweise keine Mieter mehr, wenn die Bevölkerung schrumpft. Aktien werden billiger, wenn die Unternehmen selbst nicht mehr wachsen. Sparen macht wenig Spaß, wenn die Zinsen am Boden bleiben. Auch das Abschließen einer Lebensversicherung wird unattraktiv. Das stimmt. Nur im Gegensatz zur gesetzlichen Rente wird da niemand zu seinem Glück gezwungen.

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