Gesetzentwurf : Warten kostet nichts

Warteschleifen nerven. Das Bundeskabinett hat dieser Tage einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der vorsieht, dass alle Warteschleifen dem löblichen Vorbild des Tagesspiegels folgen sollen. Qualität setzt sich eben durch.

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Helmut Schümann
Helmut SchümannFoto: Kai-Uwe Heinrich

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Anderswo, zum Beispiel bei der Autovermietung oder bei der Flugbuchung, kostet das Warten aus dem Festnetz 14 ct/min und 42 ct/min mit dem Handy. Sie haben jetzt also schon mindestens 14 Cent gespart.

Das Bundeskabinett hat dieser Tage einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der vorsieht, dass alle Warteschleifen dem löblichen Vorbild des Tagesspiegels folgen sollen. Qualität setzt sich eben durch. Rerum cognoscere causas. Wenn man zum Beispiel beim Telefonanbieter vom Handy aus anruft, weil das Festnetztelefon mal wieder spukt, dann kann man künftig noch viel länger warten als bisher. Dann aber kostenlos. Einen Haken hat die Sache allerdings: Sie tritt frühestens in einem Jahr in Kraft. So lange brauchen die Warteschleifenanbieter, bis sie ihre Systeme umgestellt haben. Bis dahin ist eine Übergangslösung angestrebt, bei der zumindest die ersten zwei Minuten umsonst sind. Faktisch ist das also keine Lösung, weil noch niemals irgendein Mensch innerhalb von zwei Minuten an die richtige Stelle verbunden worden ist. Wir bitten um Verständnis. Sie wollen wissen, wer Sie informiert hat? Bitte warten Sie! Hold the line! Attendez s’il vous plaît! Attendere prego! Musik setzt ein. Didelidum, dum, dum, didelidum, dam, dam, didelid. Bitte warten Sie ! Hold the line! Attendez s’il vous plaît! Didelidum, dum, dum, da.

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