Gespräche mit gemäßigten Taliban : Das ist nicht simpel

Manchmal muss man auch ans Protokoll denken, ans diplomatische wie ans historische. Also, fürs Protokoll sei noch einmal gesagt: Kurt Beck hatte recht. Er hatte recht, als er, damals noch SPD-Vorsitzender und Mainzer Ministerpräsident, dazu aufrief, man solle doch um eines dauerhaften Friedens willen in Afghanistan mit gemäßigten Taliban Gespräche aufnehmen. Wohlgemerkt: gemäßigten. Die gibt es. Unabhängig davon, dass Beck damit der Generallinie des gefeierten und geehrten Willy Brandt folgte, der immer gefordert hatte, über Konfrontation und Gegensätze hinweg Kooperation zur Verbesserung der Gesamtsituation zu suchen – es war ein Vorschlag, wie er einem Politiker gut ansteht. Einem wie Beck zumal. Denn dahinter steht die Devise: Nie aufgeben, wenn der Versuch den Menschen nutzen könnte. Und das ist doch überhaupt der Sinn aller in einer Demokratie verliehenen Ämter. Jetzt, Jahre später, folgt die Genugtuung. Größer könnte sie nicht sein. Die Idee eines außenpolitischen Eleven und regionalpolitischen Simpels? Von wegen. Der amerikanische Präsident Barack Obama fördert sie, die deutsche Regierung unterstützt sie – Gespräche, Friedensverhandlungen mit gemäßigten Taliban sind heute geradezu zwingend sachlich geboten. Bald wird Afghanistan mehr und mehr sich selbst überlassen sein, und das, was die internationale Koalition dann hinterlässt, darf nicht ideell und materiell in Schutt und Asche fallen. Das muss aber im Protokoll für die Zukunft festgehalten werden. cas

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