Gesundheit : Krank gespart

Ehrliche Analysen unseres Gesundheitssystems beklagen unter der Rubrik Verbesserungswürdiges stets zweierlei: Unterversorgung und Überversorgung. Letzteres schließt Ersteres nicht aus, verursacht es mitunter sogar.

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Was die einen im Übermaß erhalten, fehlt den anderen. Wenn in den Praxen mehr Kostenbewusstsein Einzug hält, ist das also nicht nur Gefahr, sondern auch Chance. Und wenn sich vier von zehn Patienten darüber mokieren, beim Doktor nicht das Notwendige zu erhalten, ist auch gesunde Skepsis angebracht. Wir Deutschen sind anspruchsvoll, besonders wenn es um uns selber geht, und wir sitzen weit öfter im Wartezimmer als unsere europäischen Nachbarn. Etwas anderes aber ist es, wenn die Ärzte sich selber bezichtigen. 55 Prozent räumen ein, Patienten aus Kostengründen nötige Behandlungen vorenthalten zu haben. Bei zwölf Prozent geschehe dies sogar „häufig“. Um welche Behandlungen es sich handelt, lässt die Umfrage leider offen. Es wäre an der Ärztekammer, dem nachzugehen – und es nicht, wie geschehen, pauschal herunterzuspielen. Ökonomie ist wichtig. Wenn sie aber medizinisches Denken zu verdrängen beginnt, wird es gefährlich.

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