Meinung : Geteilter Schmerz

Berichterstattung zu 50 Jahre Mauerbau

Mit Genugtuung las ich Ihre heutigen Darstellungen zum Thema Berliner Mauer. Nach größtenteils einseitigen Schwarzweiss-Schilderungen etablierter Historiker (Wilke, Wettig u.a.) ziehen Ihre Autoren einen Langzeit-Schleier aus Legenden und politisch erwünschter Gedenkhistorie zur Seite. Besonders wertvoll erscheint mir das von Andreas Austilat mit Sergej Chruschtschow geführte Interview.

Ein bisher völlig unbeachtet gebliebenes Detail zur „Mauer“-Vorgeschichte, das auch im ansonsten erfreulichen Buch der US-Historikerin Hope Harrison fehlt, möchte ich dennoch anfügen:

Es war Senator William S. Fulbright, der „seinen“ jungen Präsidenten John F. Kennedy Mitte Juli 1961 in vorauseilender Dienstfertigkeit mit dem Ergebnis einer von Fulbright initiierten Studie überraschte, deren Fazit lautete: Sollte die UdSSR eine Totalabsperrung der DDR einschließlich Ost-Berlin vornehmen und damit eine Insel West-Berlin schaffen, so verstieße Chruschtschow nicht gegen das Völkerrecht. Damit ergäbe sich kein Grund für ein Einschreiten der westlichen Besatzungsmächte.

Sechs Wochen nach der (gescheiterten) Wiener Konferenz vom 3./4. Juni, auf der sich Kennedy die Vorschläge und Drohungen Chruschtschows bekanntlich kommentarlos angehört hatte, beauftragte der Präsident seinen fleißigen Senator, Nikita Chruschtschow den Bau einer Mauer zu empfehlen, damit in der Berlin-Frage endlich Ruhe sei.

Zwei Tage nach dem Anruf Fulbrights setzte Chruschtschow jene Hebel in Bewegung, die schließlich zum 13. August führten.

Gert Wlasich, Verlag Kalwang & Eis, Berlin-Schöneberg

Die Lage um Berlin war komplexer. Chruschtschow hat seine Absicht von 1958, mit einem Ultimatum West-Berlin über den Umweg einer „Freien Stadt“ seinem Herrschaftsbereich einzuverleiben, nicht durchgesetzt. Das wäre eine Alternative zur Mauer gewesen und hätte ein großes Problem der DDR beseitigt. Nun wollte Ulbricht die Grenze schließen, und das hat er erreicht. Kennedys „Zurückweichen“ hat nicht weniger als einen Krieg vermieden und den Status quo bis zum Mauerfall offen gelassen. Schon aus damaliger Sicht war alleine wegen der geografischen Lage der Zugriff auf das ganze Berlin nur für den Osten ein überschaubares Risiko. Das zu berücksichtigen war in meinen Augen alles andere als Schwäche.

Manuel Jacob, Berlin-Reinickendorf

Als die DDR die Mauer baute, war Deutschland seit 12 Jahren zweigeteilt. Bereits vor 63 Jahren wurde in den deutschen Westzonen die DM als neue Währung eingeführt und damit die ökonomische Teilung Deutschlands vollzogen.

Die USA beauftragten dann die 11 westdeutschen Ministerpräsidenten mit der Vorbereitung einer Verfassung für einen Weststaat. Am 8. Mai 1949 beschloss ein Parlamentarischer Rat das Grundgesetz und mit seinem Inkrafttreten am 23. Mai wurde in einer Feierstunde des Rates die Bundesrepublik gegründet, und Deutschland war geteilt.

Fünf Monate später wurde aus dem ostdeutschen Rest die Deutsche Demokratische Republik. Sie trat ein schweres Erbe an der Seite der von den Deutschen zerstörten Sowjetunion an. Hinzu kam der Kalte Krieg.

Rudolf Augstein charakterisierte die Bundeswehr und die Teilung Deutschlands so: „ Die neue Armee wurde nicht gegründet, um den Bonner Staat zu schützen, sondern der neue Staat wurde gegründet, um eine Armee gegen die Sowjets ins Feld zu stellen.“ Deshalb lehnten die USA wohl auch 1952 die Angebote der Sowjetunion zur Einheit und Freiheit Deutschlands unter der Bedingung, dass Deutschland sich nicht an Militärbündnissen beteilige, ab. Die Sowjetunion brauchte ihre Kraft zum Wiederaufbau ihres Landes und nicht zu Wettrüsten und Kaltem Krieg. Sie wünschte ein neutrales Mitteleuropa (Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz). 1990-94 hat sie sich einseitig aus Deutschland zurückgezogen und die Einheit ermöglicht.

Die USA dagegen haben noch heute rund 40 Stützpunkte in der Bundesrepublik mit Hauptquartieren in Stuttgart-Vaihingen, Stuttgart-Möhringen, Heidelberg, Böblingen, Gelsenkirchen, Ramstein und Landstuhl und lagern in Deutschland wohl auch Atomwaffen.

Dr. Volker Manhenke, Kleinmachnow

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