Meinung : Geteilter Tisch des Herrn

Der Papst verhindert das gemeinsame Abendmahl beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin

Robert Leicht

Am Beginn der Planungen für den Ökumenischen Kirchentag Ende Mai in Berlin stand eine Utopie: das gemeinsames Abendmahl als ultimatives Symbol der Zusammengehörigkeit aller Christen, mindestens aber die gegenseitige Gastfreundschaft an den immer noch getrennten Tischen des Herrn. Von der evangelischen Kirche wird sie seit Jahren ausgesprochen. Viele Katholiken hätten das nun auch von ihrer Kirche erwartet. Vorbei.

Jenes schwache Pflänzchen Hoffnung war ohnedies nach und nach eingetrocknet, je näher der Ökumenische Kirchentag heranrückte. Die Präsidien der beiden verantwortlichen Laienorganisationen mussten die Erwartungen, die sie selber geweckt hatten, ersticken; das galt vor allem für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, denn die katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte unmissverständlich erklärt: keine Unterstützung, wenn unerlaubte Experimente nicht zuverlässig ausgeschlossen werden. Immerhin hatten die Bischöfe aber eine Erklärung in Aussicht gestellt – noch vor dem Ökumenischen Kirchentag – mit gewissen Ausnahmen für „konfessionsverbindende Ehen". Weil aber auch in Rom an einer Erklärung gearbeitet wurde, passierte erst einmal nichts.

Jetzt kann nichts mehr passieren. Denn die jüngste Enzyklika des Papstes schneidet jeden Hoffnungsfaden abrupt ab.Vereinfacht ausgedrückt: Gemeinsames Abendmahl gibt es frühestens nach der kirchlichen Vereinigung – und die gibt es nur zu römisch-katholischen Bedingungen, vor allem nur mit dem Weihepriestertum (ohne Frauen) und nur mit dem päpstlichen Primat. Der Papst hat seine – im Persönlichen durchaus anrührende – Eucharistiefrömmigkeit dogmatisch derart gepanzert (mit Begründungen vorwiegend aus der Zeit der Gegenreformation), dass die Tür für einen amtlichen ökumenischen Dialog, der auf eine Kirchengemeinschaft zielt, auf unabsehbare Zeit zugezogen wurde. Das berühmte Schlagwort von der „versöhnten Verschiedenheit" muss künftig aus vatikanischer Sicht so buchstabiert werden: „katholische Verschiedenheit", wobei das erlaubte Maß der Verschiedenheit allein vom Heiligen Stuhl bestimmt wird.

Von Rom nach Berlin: Was heißt das nun für den Ökumenischen Kirchentag? Zum einen: Nichts Neues! Zum andern aber: Schon wer als Katholikin oder Katholik gastweise an einer evangelischen Abendmahlsfeier teilnimmt (und das wird doch in nennenswerter Zahl geschehen), verstößt gegen die päpstliche Anordnung. Folglich wird das Gegenteil dessen eintreten, was der Papst mit seinem Sendschreiben beabsichtigt: Die Kluft zwischen Kirchenleitung und Kirchenvolk wird nicht geschlossen, sondern vertieft. Und was bleibt? Die Hoffnung, dass der wahre Stifter der christlichen Kirche und wirkliche Gastgeber beim Abendmahl noch weiter denkt als seine höchsten Mitarbeiter.

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