Meinung : Geträumter Filmwunsch

„Wider den Tunnelblick“ vom 29. April

Nach mehreren halb durchwachten Nächten, mit einem immer wiederkehrenden Albtraum, hat mir Jan Schulz- Ojala den Glauben in die deutsche Filmkritik zurückgegeben. In meinem Albtraum dreht Christian Petzold den 15. Film mit Nina Hoss, die als weibliche Hauptfigur wieder einen Namen mit „A“ am Schluss hat, diesmal mit roten Haaren, wieder mit dem gleichen Blick und rauschenden Bäumen bedeutungsschwanger durch einen langweiligen Streifen geistert. In meinem Albtraum muss ich diesen Film, wie die 15 davor, erst auf der Berlinale, dann im Kino sehen. Begleitet von Jubelschreien der Filmkritik, gewinnen der Film und Nina Hoss erst den Bären, dann die Lola, und Christian Petzold kündigt an, seinen 16. Film mit Nina Hoss zu drehen. Wie in Dürrenmatts „Der Tunnel“ ist kein Licht am Filmhorizont zu sehen.

Nach der Entscheidung der Jury des Filmpreises und dem besagtem Artikel keimt in mir wieder Hoffnung in Richtung eines positiven deutschen Filmerlebnisses. Nach den vielen Albtraumnächten habe ich nun einen Traum: Christian Petzold dreht einen spannenden Thriller, in dem weder Nina Hoss noch die DDR, noch die Bäume eine Rolle spielen. Am besten in der Wüste. Andreas Dresen macht endlich mal wieder eine Komödie, am besten ohne Tod, Krebs und die unvermeidlichen Malaisen des Altwerdens, die uns ja alle noch erwarten. Und Dominik Graf dreht endlich mal wieder einen „Tatort“ auf Spielfilmniveau. Ach, das wär schön.

Susanne Krause-Hinrichs,

Kleinmachnow

Bedauerlicherweise hat der Autor in dem kritischen Artikel anlässlich des Deutschen Filmpreises 2012 Ihre Definition vom „Tunnelblick“ und von einer „Majestätsbeleidigung“ der Mitglieder der Deutschen Filmakademie falsch eingefädelt: nicht die Gesamtheit der 1300 Akademiemitglieder nominiert in einer Vorauswahl die besten Darsteller, sondern das geschieht in einem 2. Wahlgang durch die Sektion der Schauspieler (knapp 400 Mitglieder), die aus den – in diesem Jahr 43 – vorausgewählten Filmen des 1. Wahlgangs der Vorauswahlkommission ihre sechs Kandidaten bestimmt. Und natürlich passiert es dann nicht zwangsläufig, dass die Favoriten der Schauspieler aus den Filmen kommen, die parallel in einem 2. Wahlgang für den Besten Film von den Produzenten, Regisseuren und Drehbuchautoren (nicht von den Schauspielern) gewählt werden. Folglich sind Unterstellungen wie Neidreflex, Majestätsbeleidigung und ähnliches völlig fehl am Platz nach dieser demokratischen Durchführung eines dreiwahlstufigen Systems der DFA – um das uns übrigens viele der weltweit agierenden Akademien beneiden.

Hartmut Becker, Vorstandsmitglied der DFA/Sektion Schauspiel von 2007-2012, Berlin-Staaken

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