Meinung : Getriebene Märkte

„Europa empört über Ratingagentur“

vom 7. Dezember

Die Reaktionen der Politik auf die Einschätzungen von Standard & Poors und anderen Ratingagenturen sind - mit Verlaub - außerordentlich dämlich. Zu welchem Ergebnis soll Standard & Poors denn sonst kommen?

Wird ernsthaft erwartet, dass sich die Bonität eines Staates, der bereits selbst hoch verschuldet ist, verbessert, nachdem er zuerst mit hunderten Milliarden für marode Banken ins Risiko geht und anschließend mit noch höheren Beträgen für noch marodere Nachbarstaaten? Was heißt „ungerecht“ (Juncker) oder „Drohungen“ (Rösler)? Die zentrale Kategorie des Denkens und Handelns der politischen Klasse ist Destruktion; es geht immer darum, Menschen (offiziellen Gegnern, Partei„freunden“), zu schaden.

Diese Denkmuster kann sie nicht einfach auf alle anderen übertragen. Ratingagenturen strafen und drohen nicht. Sie leben davon, dass sie Anlegern Einschätzungen liefern, an denen diese ihre Portfolioentscheidungen ausrichten können. Wenn die Anleger den Eindruck erhalten, die Analysten der Ratingagentur orientierten sich nicht an sachlichen Maßstäben, ist sie verloren.

Warum lamentieren wir über „die Macht der Banken“ ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem sie überwiegend so ohnmächtig sind, dass sie sich in staatlichen Schutz begeben müssen?

Ständig in allen politischen Lagern wiederholte Äußerungen wie „Die Finanzmärkte treiben die Politik vor sich her“ zeugen von komplettem Unverständnis von Ursache und Wirkung. Marktentwicklung ist das Ergebnis der individuellen Anlageentscheidungen zahlloser Investoren weltweit, die sich natürlich nicht absprechen, um irgendeine Währung oder einen Staat vor die Wand zu fahren. Märkte treiben nicht, sie werden getrieben. Treiber sind Politiker, die seit Jahrzehnten und in immer beängstigenderem Tempo Geld ausgeben, das wir nicht haben, das unsere Kinder und Enkel erst noch erarbeiten müssen.

Ernst von Randow, Gräfelfing

Das haben wir nun davon: Aufgrund eines unheilbaren Helfersyndroms einer einzelnen Dame Merkel haben wir unser ganzes Geld für die französischen und deutschen Banken verplempert und nun glaubt uns keiner mehr, dass Deutschland und Europa noch aus ihrer Schuldenfalle herauskommen.

Wolfgang Wurtz, Oldenburg

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