Meinung : Gewalt beim G-8-Gipfel: Auf der Suche nach der verlorenen Unschuld

clw

Ganz Europa redet über Genua. Auch in Italien reißen die Kontroversen nicht ab. Doch den Parteien ging es bisher eher darum, die Geschehnisse für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren: Die Regierung stellte sich breitschultig vor die Polizei und leugnete, dass es einen "Fall Genua" überhaupt gebe - schließlich sehen die Postfaschisten die Ordnungskräfte als eigene Klientel. Und die Opposition beantragte den Rücktritt des Innenministers, bevor das Ausmaß der Übergriffe und die Verantwortlichen bekannt waren. Italiens Politiker gingen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: abgehobenen Machtspielen. Sie ignorieren, dass Genua eine Zensur bedeutet - für Italien und für die europäischen Partner. Denn seit der "chilenischen Nacht" in der "Diaz"-Schule und den Prügelszenen in der Kaserne von Bolzaneto muss sich die italienische Polizei fragen lassen, wie sie es mit der Demokratie hält und den elementaren Bürgerrechten. Erst als Präsident Ciampi die Parteien zur Ordnung rief, einigten die sich auf einen Untersuchungsausschuss. Hoffentlich hat sich damit die Erkenntnis durchgesetzt: Hier geht es um mehr als taktische Polit-Spiele. Es geht um die Seele des demokratischen Rechtsstaates. Und die gemeinsamen europäischen Werte.

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