Gewerkschaften und SPD : Die Liebe ist dahin

Früher kamen für die Gewerkschafter nur die Sozialdemokraten in Frage. Warum sie heute auch mit Merkel ganz gut leben können

Alfons Frese

Frauen hat er ja reichlich, der Kanzlerkandidat in seinem Kompetenzteam. Aber können die auch mobilisieren? Und mit welchen Truppenteilen ziehen die in den Wahlkampf? Wo sind die starken Partner Frank-Walter Steinmeiers? Vorbild und Vorgänger Gerhard Schröder hatte es da 1998 besser, als der DGB und die Einzelgewerkschaften sich für Schröder ins Zeug legten und zur Abwahl Helmut Kohls beitrugen. Der hatte sich zuvor an der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu schaffen gemacht. Klaus Zwickel, Hubertus Schmoldt und Dieter Schulte nahmen ihm das übel und beteiligten sich mit einigen Millionen am Schröder-Wahlkampf.

Heute haben Michael Sommer, Frank Bsirske und Berthold Huber keine Gründe, um für Steinmeier zu trommeln. Denn es war in der großen Koalition ein SPD-Minister, der die Einführung der Rente mit 67 gegen die Gewerkschafter durchzog. Und Steinmeier selbst hat mit Schröder Agendapolitik gemacht – für viele Gewerkschafter steht die für Hartz IV, Billiglöhne und Prekariat. Und dann ist da auch noch Angela Merkel. Mit der verstehen sich die Spitzenfunktionäre gar nicht so schlecht, obgleich sie, bis auf das Grünen-Mitglied Bsirske, alle der SPD angehören. Schließlich hat auch Merkel dazugelernt. Attacken auf die Tarifautonomie und damit auf die Macht der Gewerkschaften gibt es, anders als vor wenigen Jahren, nicht mehr. Kurzum: Die Gewerkschaften können mit Merkel ganz gut leben und stellen sich auch auf weitere vier Jahre mit ihr ein. Und kümmern sich derweil um ihr Kerngeschäft.

Die Zukunft der Gewerkschaften liegt nicht auf der Straße, sondern in den Betrieben, sagt IG-Metall-Chef Huber. Also weniger in der großen Politik als im Arbeitsalltag der Arbeitnehmer. Gute Ausbildung, lebenslanges Lernen, alters- und gesundheitsgerechtes Arbeiten, Mitarbeiterbeteiligung, verlässliche Tarifeinkommen – die Gewerkschaften haben genug zu tun, um ihre seit 15 Jahren schrumpfende Mitgliederbasis zu stabilisieren. Wenn indes eine schwarz-gelbe Regierung vielleicht in zwei Jahren die alte Klamotte wieder aus der Kiste holt, dass Gewerkschaften und Tarifsysteme so sehr hinderlich sind bei der Bewältigung der noch immer nicht beendeten Wirtschaftskrise und sie deshalb den DGB schleifen wollen – dann würde sie neu aufleben, die alte Partnerschaft mit der SPD. Eine schnöde Interessengemeinschaft wäre das, mehr nicht. Die Liebe ist dahin.

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