Meinung : Glaube versetzt Kurse

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Es könnte so schön sein an der Börse. Die Wirtschaft kommt in Schwung, die Unternehmen haben gute, manche sogar sehr gute Quartalszahlen präsentiert, die Gewinnprognosen zeigen, dass wir konjunkturell das Schlimmste hinter uns haben. Das Geschäftsklima ist wieder prima. Und dann das: Der Ölpreis explodiert, die USRegierung warnt vor neuem Terror, und der amerikanische Arbeitsmarkt fällt in ein Sommerloch. Als der Dax am Montag unter die Marke von 3700 Punkten fiel, war nichts mehr schön an der Börse. Pessimisten hatten den Kursrutsch schon vorausgesagt, weil sie den hohen Ölpreis noch nicht ausreichend in den Kursen berücksichtigt fanden. Und die Charttechniker – Experten, die Prognosen aus der Vergangenheit ableiten – warnen schon länger vor einem neuen Abwärtstrend. Alle wissen, dass an der Börse ein simpler Grundsatz gilt: The trend is your friend. Es geht bergab, wenn alle glauben, dass es bergab geht. Das liegt nicht an der masochistischen Veranlagung der Anleger, sondern an einem menschlichen Wesenszug. Informationen, unter denen man sich leicht etwas vorstellen kann (Bezinpreis, Terror, Arbeitslosigkeit) werden bevorzugt wahrgenommen. Abstraktes (Konjunktur, Geschäftsklima, Gewinnprognosen) gerät leicht in Vergessenheit. Es wird langsam Zeit, dass der Aufschwung in den Köpfen ankommt – bevor der nächste Abschwung kommt. mot

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