Meinung : Glaubensbekenntnis

„Der Glaube hat keinen Zweck“

vom 24. April

In einer Zeit, in der der Glaube keinen großen Stellenwert mehr hat und noch hier und dort Alibi für irgendwelche Auslassungen ist, tut es wohl, ein Plädoyer für einen Glauben ohne Zwecke und Nutzen zu lesen. Thies Gundlach stellt Gott in den Mittelpunkt und befreit ihn gleichzeitig von allen Wünschen und Erwartungen der Menschen. Gott ist wertfrei und zweckfrei, er will und kann nicht als Mittel und Zweck für alle unsere Erwartungen, Hoffnungen, Ansprüche und Lebensziele dienen.

Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Wenn man sich diesem Anspruch und Willen Gottes unterordnen kann, dann kann man auch in unserer heutigen Welt des Egoismus und der Eigenliebe leben. Der Glaube an Gott ist Stütze, Hilfe und Ausrichtung. Man sollte ihn für sich nutzen, ohne ihn zu instrumentalisieren oder ihn für irgendwelche Zwecke zu nutzen oder auszunutzen.

Gerhard Roscher, Berlin-Lichterfelde

Den Ausführungen von Thies Gundlach kann ich nur beipflichten. Angesichts eines immer militanter werdenden Atheismus sind viele Christen in der Gefahr, ihren Glauben zu verteidigen, indem sie wie ein Staubsaugervertreter mit dem Hinweis auf seinen Nutzen argumentieren. Glaube an Gott aber ist – genauso wie wahre Liebe – ohne menschliches „Warum“. Er geschieht absichtslos – um Gottes willen. Weil Gott sich den Menschen geleistet hat, darum kann sich auch der Mensch Gott leisten als das ganz und gar Nichtnotwendige in seinem Leben. Wenn wir Christen es wieder lernten, so absichtslos, ohne apologetischen Eifer, von Gott zu reden, würden wir dabei wahrscheinlich selbst glücklicher und für andere überzeugender sein. Denn, um gut durchs Leben zu kommen oder um einen moralischen Halt zu haben, braucht der Mensch Gott wirklich nicht, zu alldem ist er auch ohne Gott fähig, genauso wie er mit Gott oder als Atheist zu allen Verbrechen fähig ist, die in der Menschheitsgeschichte begangen worden sind. Aber als das ganz und gar Nichtnotwendige in unserem Leben wäre Glaube an Gott tatsächlich das Einzige, was wirklich nottut, weil es uns davor bewahren könnte, unsererseits nur unter dem Aspekt von Leistung und Nutzen verrechnet zu werden, worunter Atheisten doch in gleicher Weise leiden wie Christen.

Bernd Beuster, Berlin-Charlottenburg

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