Meinung : Glaubwürdigkeit – darum geht’s

„Versöhnen statt spalten / Warum die Linke am Ende doch Joachim Gauck wählen können sollte“ von Lorenz Maroldt

vom 8. Juni

Lorenz Maroldt stellt zu Recht fest, dass die Linkspartei mit der Wahl von Joachim Gauck an Glaubwürdigkeit gewinnen könnte und „ein weiteres Kapitel ihrer unrühmlichen Vergangenheit abschließt“. Stattdessen teilt die Parteiführung der Öffentlichkeit mit, dass sie die Nominierung des ehemaligen Bürgerrechtlers der DDR als „Kampfansage“ an ihre Partei ansieht und stellt Luc Jochimsen als eigene Kandidatin auf. Da diese nur eine „differenzierte Aufarbeitung“ der ehemaligen DDR fordert, nach dem altbekannten Motto „Es war nicht alles schlecht …“ und eine Untersuchung nach Stasi-Tätern endlich beendet sehen möchte, hat die Führung der umbenannten früheren SED eine weitere Chance vertan, an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.

Bernd Heller, Berlin-Charlottenburg

Christian Wulff könnte durch ein Beispiel menschlicher Größe seinem Land, seiner Partei und dem Ruf der Politiker allgemein einen großen Dienst erweisen: Indem er seine Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl zurückzieht und den Weg für den allseits geachteten Joachim Gauck frei macht. Durch einen ehrenwerten Verzicht würde der niedersächsische Ministerpräsident vielen Parteikollegen Gewissensnöte ersparen, ein Zeichen für die innere Einheit des Landes setzen und sich gleichermaßen mit persönlicher Integrität für künftige höchste Aufgaben empfehlen. Das höchste Amt im Staate sollte vom Proporzdenken der Parteien verschont bleiben – Joachim Gauck wäre ein sehr würdiger Bundespräsident aller Deutschen.

Michael den Hoet, Hamburg

Alle loben Gauck, da muss es doch erlaubt sein, gegen den Strich zu bürsten. Persönlich kenne ich ihn ja nicht aber wenn ich z. B. Peter-Michael Diestel richtig verstanden habe („Rebellion tut gut“, Dietz Verlag) gehört Gauck zu den „frömmelnden aber doch so aggressiven Popen“, zu den „jakobinischen Hassern“, der mit seiner Behörde eine Anstalt der „modernen Inquisition“ leitet. Ich würde nicht so weit gehen, die Behörde infrage zu stellen, aber dass ausgerechnet ein ehemaliger „Großinquisitor“, ein Vertreter der „Auge-um-Auge– Zahn-um Zahn-Zunft“ zum „Landesvater“ wird, scheint mir ein bisschen weit hergeholt. Andere ausgewiesene Gegner des DDR-Regimes wie von Weizsäcker, Herzog oder Rau erschienen da menschlich wesentlich annehmbarer.

Olaf Stephan, Berlin-Altglienicke

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