Meinung : Gleiche Verhältnisse

„Mindestlöhne passen nicht zur FDP“

vom 8. März

Die Freiheit ist ein komplexer und schwieriger Wert. Der Autor Frank Schäffler verkürzt ihn auf das, dem er zunächst entgegenredet, nämlich auf den Dschungel, in dem der Stärkere den Schwächeren frisst. Wer hat denn in unserer Gesellschaft die „Freiheiten“, die er der Planwirtschaft (als populistisches Beispiel) abspricht? Wo ist denn die Freiheit des Arbeitnehmers, der mit seinem Arbeitgeber verhandelt? Wobei der eine (fast) keine, und der andere sämtliche Informationen hat, und darüber hinaus wahrscheinlich im Besitz einer höheren Qualifikation, insbesondere aber des Geldes ist, über das verhandelt wird. Die Freiheit, in der sich alle gleich entfalten können, setzt gleiche Anfangsbedingungen und Verhältnisse voraus, die aber durch die Zufälligkeit der Geburt weder individuell noch sozial gegeben sind.

Sozialstaat als Kür? Der Sozialstaat musste sich entwickeln, weil unser Wirtschaftssystem, beseelt durch den Freiheitsgedanken, die Verantwortung aus dem Blickwinkel verloren hat, den Menschen die materielle Existenz zu sichern. Oder sind die Versorgungsempfänger des Sozialstaats die Versager, die die Freiheiten nicht zu nutzen wissen?

Erschütternd ist zudem, dass der Autor keinen Stammtisch vertritt, sondern eine politische Partei. Aber dem könnte ein anderer ja durch seine Verantwortung begegnen: der Wähler.

Holger Drost, Berlin-Zehlendorf

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