Glietsch-Nachfolge in Berlin : Bis zum Letzten

Da ist er ganz preußisch, Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch: Voller Einsatz bis zum letzten Arbeitstag. Zwei Mal hat er auf Bitten des Senats seine Amtszeit verlängert und macht zuweilen den Eindruck, als fieberte er der Pensionierung nicht gerade entgegen. Mancher in der Polizei begrüßt es, dass Glietsch seine Dienstzeit nicht als lahme Ente austrudeln lässt, sondern weiter Reformen voranbringt wie etwa die zentralisierte Bearbeitung von Betrugsdelikten, um besser auf Internetkriminalität reagieren zu können. Die Tatkraft signalisiert, dass er bis zum letzten Tag Herr im Hause sein will: Zwar ist längst nicht ausgemacht, wer Nachfolger wird, doch zu früh soll der ihm nicht die Wirkungsstätte streitig machen. Dabei sind die Fußstapfen ziemlich groß, die Glietsch nach neun Jahren hinterlässt, in denen er seiner Behörde mehr Transparenz verordnete, neue Einsatzkonzepte entwickelte oder auf Prävention gegen Jugendgewalt setzte. Wenn Glietsch noch den neuen Chef des Landeskriminalamtes ernennen oder am 1. Mai allein seine Hundertschaften beaufsichtigten will – ohne Begleitung durch den Neuen – dann macht er es dem Nachfolger nicht leichter. Die Polizei aber braucht einen reibungslosen Übergang. Ein Machtvakuum, weil sich der Neue erst einarbeiten muss, darf es nicht geben.gn

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