Glosse : Lachen auf griechische Art

Es wird spannend, wie die Griechen das Problem mit ihren toten, aber gut bezahlten Rentnern lösen. Doch, Vorsicht: Wer mit einem Finger auf die Griechen zeigt, steht selbst schon mit drei Fingern im Gefängnis.

von
Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ernährung ist im Grunde nichts als der Jahrzehnte andauernde Versuch, dem Tod zu entkommen. Am Ende scheitert er bekanntlich allemal, aber das ist für die meisten von uns kein Grund, das Essen einzustellen. Denn es gibt leuchtende Vorbilder: Meist handelt es sich um knorrige Hirten vom Balkan oder aus dem Mittelmeerraum, die sich ihr Leben lang von Schafskäse, Knoblauch und Olivenöl ernähren und auch das kleine Schnäpschen zur Verdauung nicht vergessen. So werden sie locker 120, gern auch älter, fit wie eine Fellsandale.

Wir finden das gut, fragen uns aber selten, ob nicht 70 Jahre in unermesslichem Wohlstand vielleicht doch besser sind als 120 auf einer abgenagten mediterranen Wiese, umgeben ausschließlich von Schafen und Ziegen, weil niemand sonst den Knoblauchmief erträgt. Dabei könnte es durchaus noch schlimmer kommen: Die griechische Regierung möchte jetzt prüfen, ob es all die Hundertjährigen, die im Land Rente beziehen, überhaupt gibt. Oder ob sie nicht schon vor Jahrzehnten gestorben sind und ihre Rente in die Taschen der Nachfahren fließt.

Klar ist schon jetzt, dass bisher rund 4500 tote Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Griechenland Rente erhalten haben. Es wird spannend sein, die Regierung beim Streichen dieser Summen zu verfolgen – vermutlich läuft es auf einen Kompromiss dergestalt hinaus, dass die Rentenbezugsdauer auf 20 Jahre nach dem Tod begrenzt wird.

Doch wer sind wir, dass wir der griechischen Regierung Nachhilfe in Sachen Kostenmanagement erteilen? Gerade steht der ehemalige Produktionsleiter des Kinderkanals vor Gericht, der mehr als vier Millionen Euro Sendergeld verzockt hat. Er hat das am Montag sogar gestanden. Das Lustige daran ist nun nicht etwa nur, dass es keiner gemerkt hat, sondern dass der Kinderkanal trotzdem in der Lage war, ein offenbar pädagogisch astreines Vollkinderprogramm in die Luft zu jagen – ein unfreiwilliger Stresstest, der zeigt, dass der Sender gut vier Millionen Euro mehr bekommt, als er braucht. Wohin wäre das Geld wohl geflossen, wenn nicht der Angeklagte es sich eingesteckt hätte? Zurück an die Gebührenzahler? Haha.

Es handelt sich also um eine Art deutsche Entsprechung zu den toten griechischen Rentnern, nur eben auf öffentlich-rechtliche Art. Das Geld ist weg, unwiderruflich, und es gemahnt uns daran, dass, wer mit einem Finger auf die Griechen zeigt, mit drei Fingern selbst schon im Gefängnis steht. „Wer lacht über Griechenland?“ lautete eine Scherzfrage meiner Jugendzeit, und die Antwort lautete: strahlend blauer Himmel. Das mag für heute genügen.

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