Meinung : Goldener Reis

„Hoch gepokert“ vom 19. Januar

Wenn im Jahre 2050 etwa neun Milliarden Menschen auf der Erde leben werden, aber gleichzeitig alle Erdbewohner ausreichend ernährt werden sollen (gegenwärtig sind mindestens eine Milliarde unterernährt), müssen die Bauern 70 Prozent mehr aus ihrem Boden herausholen, denn die landwirtschaftliche Anbaufläche wird gleich groß bleiben. Dann werden sich nur noch Wohlhabende den Luxus leisten können, Ökoprodukte zu verzehren, die ohne Kunstdünger und Pestizide produziert werden. Die Forderung nach weniger Fleischkonsum bei uns ist ein sinnvoller Beitrag, wird weltweit das Problem aber nicht lösen.

Jedes Jahr erblinden mehrere Millionen Kinder in der Dritten Welt an Vitamin-A-Mangel, und viele von ihnen sterben, weil in ihrem einzigen Nahrungsmittel Reis dieses Vitamin nicht enthalten ist. Vor gut zehn Jahren ist es Wissenschaftlern gelungen, gentechnisch den „Goldenen Reis“ zu entwickeln, der eine erhöhte Menge an Beta-Carotin (Provitamin A) enthält. Würde dieser Reis gepflanzt und verzehrt, könnten viele Kinder der Dritten Welt ihrem Schicksal entgehen. Aber Organisationen verhindern den Anbau, weil sie grundsätzlich gegen gentechnische Verfahren Bedenken haben. Hier wird die Skepsis gegenüber wissenschaftlichem Fortschritt auf die Rücken der Ärmsten geladen.

Die Begriffe „artgerechte Tierhaltung“ und „Massentierhaltung“ sind irreführend. Sie basieren auf der Lebenswelt eines Wohlstandsbürgers. Hätte ein Mensch früherer Jahrtausende unsere Lebensweise als artgerecht angesehen? Die Lösung des Bevölkerungsproblems besteht in der Einführung humaner Lebensbedingungen.

Dr. Konrad Meyfarth, Bln.-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar