Google : Datenkrake im Schafspelz

In der Medienlandschaft wird Google zunehmend negativ dargestellt. Nun macht sich das Unternehmen gegen die Bundesregierung zum Datenschutz-Anwalt der Anwender. Aber warum?

Roland Peters

Google ist ein Monster. Eine Krake. Ein allesfressendes Ungetüm, vor dem sich jeder fürchtet, der sich im Internet datenbewusst bewegt. So stellt die Medienlandschaft den Suchmaschinen-Marktführer vermehrt dar. Denn wer surft oder E-Mails verschickt, hinterlässt Spuren. Suchmaschinen- und E-Mail-Dienste wie Google speichern diese Daten - auf die die Bundesregierung gerne Zugriff hätte. Mit einer Gesetzesinitiative möchte sie zwecks Kriminalitätsbekämpfung den Telekommunikations- und Internetverkehr überwachen. Das Bundesjustizministerium will Internet-Provider sowie E-Mail-Dienstanbieter verpflichten, ihre Verbindungsdaten zu personalisieren, heißt: hinterlassene Spuren mit dem realen Namen eines Anwenders in Verbindung zu bringen. Wann sind Sie wo gewesen und haben wem eine E-Mail geschickt? Welche Seiten haben Sie besucht, Forenbeiträge oder Kommentare zu welchen Themen geschrieben? Eine gefühlte Überwachungskamera, die jeden Anwender-Schritt verfolgt und dokumentiert.

Doch Googles oberster Datenschützer Peter Fleischer macht sich sich jetzt zum Anwalt der Anwender und droht, das Unternehmen werde seinen deutschen E-Mail-Dienst "Google Mail" abschalten, falls das Gesetz verabschiedet wird. Begründung: "Ein schwerwiegender Schlag gegen die Privatsphäre" der Anwender, so Fleischer. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Google ist selbst einer der größten, wenn nicht sogar der größte Datensammler im Internet. Das hat einen Grund, bezeichnete doch Google-Chef Eric Schmidt die persönlichen Daten gar als den "wichtigsten Faktor" für das Wachstum des Unternehmens.

Die Google-Suchmaschine zeigt themenverwandte Werbung an und speichert IP-Adressen verbunden mit besuchten Seiten "aus Sicherheitsgründen" bislang auf unbestimmte Zeit. Außerdem wird über den E-Mail-Dienst übertragene elektronische Post nach Schlagwörtern durchsucht und mit entsprechender Werbung versehen. Neben Namen und Adresse seiner Anwender werden auch medizinische Daten, Informationen über "Ethnie oder Volksgruppe, die politische oder religiöse Einstellung oder die Sexualität" (www.google.de/privacy_faq.html) gespeichert. Natürlich nur zur "Verbesserung des Angebots".

Die Google-Drohung ist also nicht pure Aufopferung für die Anonymität der Anwender, die ihre E-Mail-Konten nutzen, um sich "vor Spam oder beim Veröffentlichen ihrer Meinung vor staatlicher Repression zu schützen" (Fleischer); vielmehr ist es die Angst vor einem Verlust der Vertrauenswürdigkeit und damit der Marktführerschaft. Google wird in diesem Jahr voraussichtlich 15 Milliarden Dollar umsetzen, mehr als doppelt so viel wie Konkurrent Yahoo. Die personenbezogenen Daten sind das Kapital des Unternehmens. Da sämtliche Dienste für Endverbraucher kostenlos sind, braucht Google anderweitige Einnahmen. Und persönlich zugeschnittene Werbung kann besser und teurer verkauft werden als anonyme.

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