Google Street View : Es geht nicht um Fassaden

Innenminister Thomas de Maizière ist gegen eine "Lex Google" im Eilverfahren. Mit Street View ergeben sich Perspektiven, die zunächst einmal grundsätzlich definiert werden müssen.

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In der Finanzbranche nennt man es Kreditscoring. Damit die Bank nicht auf faulen Krediten sitzen bleibt, erhalten Kreditnehmer anhand bestimmter Kriterien einen Scoringwert, der sich unter anderem aus laufenden Verbindlichkeiten, dem Beruf und dem Wohnort ergibt – und in Zukunft vielleicht dem Bild, das sich die Bank durch einen Blick in Google Street View vom Wohnsitz gemacht hat. Mit Street View ergeben sich noch ganz andere Perspektiven, zum Beispiel für Personalchefs vor Gesprächen mit neuen Bewerbern. Auch ihnen kann das Bild des Wohnhauses viel verraten. Sicherlich muss man den Personalern dabei keine Ratschläge erteilen, bereits jetzt hat zu viel Offenheit im Internet den ein oder anderen Job gekostet. Aber genauso sicher ist – und da kann man Innenminister de Maizière nur beipflichten – dass eine Lex Google im Eilverfahren die Bürger nicht zwangsläufig vor den Gefahren des immer größeren Datenkonglomerats schützt. Die Widerspruchsfrist von Mietern und Hausbesitzern gegen Street View von vier Wochen gilt ohnehin nur für das Online-Formular. Per Mail oder Brief an Google wird auch später noch verpixelt. Wenn nun um neue gesetzliche Regeln gestritten wird, sollte es nicht um Hausfassaden gehen, sondern darum, wie gläsern der digitale Mensch sein soll.

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