Gottesfrage : Im Bus der Atheisten

Ein Bus fährt herum durch Deutschland. Es ist noch offen, ob die Mächtigen gegen ihn eine heilige Hetzjagd eröffnen werden. Wahrscheinlich ist das nicht, auch wenn der Bus provozieren will. Gott ja, Provokation, wie provoziert man heute schon, nun, da alles gesagt ist und alles gezeigt?

Helmut Schümann

Ein Bus fährt herum durch Deutschland. Es ist noch offen, ob die Mächtigen gegen ihn eine heilige Hetzjagd eröffnen werden. Wahrscheinlich ist das nicht, auch wenn der Bus provozieren will. Gott ja, Provokation, wie provoziert man heute schon, nun, da alles gesagt ist und alles gezeigt? Nach Meinung des Busses ist die Fragestellung falsch. Weil der Bus sagt, das heißt, weil auf ihn in großen Lettern geschrieben ist, dass es „(mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit)“ keinen Gott gibt. Also nicht mal als Ausruf. „Herrgott noch mal!“ gibt’s nicht, „Herr, lass Hirn regnen“ geht auch nicht mehr, weil Herr ja nur eine andere Bezeichnung für Gott ist. Aber so oft hat es der Herr ja ohnehin nicht regnen lassen, das Hirn. „Um Gottes Willen“ geht auch nicht mehr, weil ein Nichts keinen Willen hat. Dass es Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt, ist schon länger klar. Wie wäre sonst der VfL Wolfsburg Deutscher Meister geworden? Man denke nur an VW-Skandal, Betriebsrat, Sex, Lustreisen, Gott hätte gestraft und nicht seine besten Stürmer runtergeschickt. Wen also will der Bus provozieren?

Ähnliche Busse sind schon durch andere Länder Europas gerollt. Sie haben aber dort auch niemanden erschüttert. Auch nicht in London, wo die Atheisten sich geärgert hatten, dass eine christliche Gemeinschaft ihnen ein langsames Schmoren in der Hölle prophezeit hatte. Kleine Kinder glauben das nämlich, dass man nur tief genug in der Erde bohren muss, und dann ist da unten irgendwo die Hölle. Wenn sie dann etwas älter werden, also so acht, neun Jahre, und sich der Glaube an den Weihnachtsmann verflüchtigt hat, dann wissen sie schon, dass man, wenn man ganz tief in der Erde bohrt, irgendwann in Australien rauskommt. Hey, auch nicht schlecht, sagen sie dann, und ob Gott da oben irgendwo im Himmel das genehm ist, dürfte ihnen reichlich egal sein. Der Bus mit seiner aufklärerischen Aufschrift hat nur ein geringes Erschreckungspotenzial. In Berlin, wo die Deutschland-Tour am Sonnabend startet, gehören zwei Drittel der 3,4 Millionen Einwohner keiner Religionsgemeinschaft an. Es ist aber nicht anzunehmen, dass sie alle an den Straßen stehen werden und den Bus für seine neue Weisheit beklatschen werden, die Berliner wissen es ja schon lange, sie haben Hertha. Irritierend wäre allerdings, wenn es am Sonntag blitzt und donnert und regnet. Was soll man dann glauben? Es ist aber eher himmlisches Wetter prognostiziert.

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