Gotthardtunnel-Durchbruch : Vorfahrt für Vernunft

Die Diskussion über das Bahnprojekt Stuttgart 21 verstärkt den Eindruck, man könne heute keine großen Infrastrukturvorhaben mehr realisieren und demokratische Teilhabe an der Vergewisserung der Entscheidung sei dabei eher hinderlich. Die Schweiz demonstriert gerade, dass beide Prämissen falsch sind. In 800 Meter Tiefe unter dem Alpenmassiv wurden gestern die beiden Bohrungen für den Gotthardbasistunnel miteinander verbunden. In Volksabstimmungen in den Jahren 1992 und 1994 hatten die Bürger den Bau der 57 Kilometer langen Verbindung gutgeheißen. Die überzeugenden Voten resultierten vor allem aus der Überzeugung der Schweizer, dass der Basistunnel trotz der immensen Kosten entlastend für ihr Land sei. Seit der Eröffnung des Gotthardstraßentunnels 1980 litten die Innerschweizer Kantone von Jahr zu Jahr mehr unter dem europäischen Nord-Süd-Schwerverkehr. Dagegen gab es wütenden Protest. Mit dem Beschluss, den Bahntunnel zu bauen, zwangen die Eidgenossen auch die EU zum Umdenken. Seitdem ist klar, dass aus Umweltgründen die Schiene Vorrang vor der Straße haben sollte – nicht nur unter den Alpen.apz

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