Meinung : „Gradlinigkeit schätze ich am meisten“

Klaus Wallbaum

Zweifrontenkriege, das weiß Hartmut Möllring, kann man nicht gewinnen. Deshalb hat der Verhandlungsführer der Länder im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes bei aller verbalen Schärfe der vergangenen Monate immer auch Lösungsmöglichkeiten ausgelotet. Die gesamten Klinikärzte gegen sich zu haben und auch die große Gewerkschaft Verdi, das war einfach zu viel. Frank Bsirske und Verdi waren die geschickteren Verhandlungspartner, also hat Möllring hier zuerst den Streit beigelegt. Mit den Ärzten dauert alles etwas länger, und weil mit Verdi schon Frieden ist, kann sich Möllring gegenüber dem Marburger Bund bisher in altbekannter Manier präsentieren: fest und unbeweglich.

Er genießt es, wenn man ihn als Verkörperung des Luther-Mottos beschreibt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Es ist der mit Abstand längste Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes, und die Sympathien waren nicht auf Seiten der Streikenden. Das hat es Möllring erleichtert, seine Aufgabe zu erfüllen – er hält die Tarifgemeinschaft deutscher Länder, deren Vorsitzender er ist, bislang gut zusammen. Möllring steht dabei für die harte Verhandlungslinie, hat aber gleichzeitig die Rückversicherung der anderen Länder. Erst als Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen unruhig wurden und auf einen Tarifabschluss drängten, ließ sich auch Möllring erweichen und willigte in ein Treffen mit dem Vorsitzenden des Marburger Bundes ein.

Der 54-jährige Möllring lebt ganz gut mit dem Ruf, der ihm vorauseilt. Knochenhart zu sein – das entspricht einerseits dem Wunschbild der Bundesländer für ihren Chefunterhändler. Andererseits wollen die Ministerpräsidenten aber auch einen gefügigen Politiker, der sich nie in eine Sache verrennt und auch nie den Blick dafür verliert, was durchsetzbar ist und was nicht. Möllring ist ein solcher politischer Vollprofi, der das juristische Handwerk gelernt, schon in jungen Jahren die Ministerialverwaltung erlebt und das parteipolitische Spiel mitgestaltet hat. In Niedersachsen zählt er zu den mächtigsten Politikern. Nicht nur, weil der Minister grenzenlose Rückendeckung seines Ministerpräsidenten Christian Wulff hat. Möllring versteht es auch, die anderen politischen Kräfte im Land einzubinden, vor allem die Regierungsfraktionen von CDU und FDP. Und er hat als Bezirkschef in Hildesheim eine wichtige Machtposition im Lande. An diesem Minister kommt keiner vorbei.

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