Meinung : Grenzen verbinden

Ausländerkriminalität: Nur wer darüber redet, kann sie ändern

Gerd Nowakowski

Wer in Berlin-Neukölln wohnt, wundert sich nicht, wenn ausländische Kinder bis nachts auf der Straße spielen. Das Interesse der Eltern, dass ihre Kinder ausgeschlafen zur Schule gehen, ist offenbar begrenzt. In einer Klasse senken schon wenige nichtdeutsche Kinder das Leistungsniveau, haben Pisa-Forscher festgestellt. Das wird auch für Berlin gelten. Genau wissen wir es nicht; Berlin hat nicht mitgemacht. Manchen Pädagogen war das nicht unrecht. Immer noch wird verschämt mit solchen Befunden umgegangen. Wer sagt, dass ausländische Eltern kein Interesse haben, dass ihre Kinder Deutsch lernen, erntet böse Reaktionen. Aufstiegsorientierte ausländische Familien dagegen reagieren längst: Sie melden ihre Kinder in Schulen mit niedrigem Ausländeranteil an.

Es geht also nicht um Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung, sondern darum, über alarmierende Entwicklungen offen zu reden. Wenn der Berliner Innensenator Ehrhart Körting integrationsunwilligen Eltern die Schuld an den kriminellen Karrieren ihrer Kinder gibt, hat er die Statistik auf seiner Seite: Ausländische Jugendliche sind viermal häufiger bei Raub, Gewalttaten und Körperverletzungen vertreten als Deutsche.

Von ungefähr kommt das nicht. Die meisten Jugendlichen wachsen in Familien mit traditionellen Herrschaftsverhältnissen auf. Auch junge Türken der dritten Generation holen ihre Frauen aus der Fremde. Diese sprechen nur türkisch, leben im Ghetto und schicken ihre Kinder selten in Kindertagesstätten. Dazu kommt die verbreitete Erfahrung von körperlicher Gewalt in türkischen oder arabischen Familien. Das hat Folgen: Ins Kriminelle rutscht umso leichter ab, wer in Schule und Arbeitsmarkt scheitert.

Wer tabuisiert, was nicht ins Bild passt, zerstört die Basis für ein friedliches Zusammenleben. Integration hat zwei Seiten. Der Staat hat lange zu wenig getan. Doch wer sich nicht integrieren will, der wird auch mit besten Angeboten nicht erreicht. Dann helfen nur Auflagen. Genauso wichtig ist, jugendlichen Serientätern wie „Mahmoud“ klare Grenzen zu setzen. Wer immer wieder Bewährungsstrafen erhält, muss zwangsläufig glauben, dass der Rechtsstaat zahnlos ist. Ein verlässlicher Staat hilft allen: den Ausländern mit klaren Integrationsregeln, den Deutschen mit einem Rechtssystem, bei dem ausländische Gewalttäter als Kriminelle behandelt werden. Und nicht als Opfer.

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