Griechenland : Kernschmelze der Währungsunion

Die EU muss dem angeschlagenen Griechenland helfen - schon aus Eigeninteresse

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Griechenlands Finanzkrise war seit langem absehbar, und deshalb tragen die EU-Partner eine Mitverantwortung an der Malaise. Schon in den 90er Jahren warnten viele Fachleute, es sei riskant, ein Land mit derart krassen Wettbewerbsschwächen und so hoher Staatsverschuldung in die Währungsunion aufzunehmen. Dieselben Partner weisen nun das Ansinnen einer Rettungsaktion für das schwer angeschlagene Griechenland zurück. Auch die Athener Regierung beteuert, sie werde die Krise aus eigener Kraft meistern. Aber die Entwicklung an den Finanzmärkten spricht eine deutliche Sprache: Selbst das jüngste Sparprogramm der Griechen und die strikten Auflagen der EU haben es nicht vermocht, die Kurse der griechischen Bonds nachhaltig zu stützen. Griechenland hat in diesem Jahr einen Kreditbedarf von mindestens 54 Milliarden Euro und die Finanzmärkte erwarten weitere Konsolidierungsschritte. Aber über die bisher gefassten Sparbeschlüsse kann die Athener Regierung nicht wesentlich hinausgehen, wenn sie nicht soziale Unruhen und einen Absturz der ohnehin schwächlichen Konjunktur riskieren will. Es wird den EU-Partnern also gar nichts anderes übrig bleiben, als den Griechen beizustehen. Sonst droht eine Kettenreaktion, die in letzter Konsequenz zu einer Kernschmelze der Währungsunion führen könnte. Beistandskredite der EZB oder einzelner Notenbanken verbieten die Euro-Regeln zwar, aber denkbar wären vorgezogene Auszahlungen aus den EU-Strukturfonds, zinsgünstige Kredite der Europäischen Investitionsbank oder eine gemeinsame Euro-Anleihe aller 16 Mitgliedsstaaten der Währungsunion, wie sie Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker ins Gespräch brachte. Dagegen sträuben sich zwar Deutschland und andere Euro-Länder. Aber sie werden wohl in den sauren Apfel beißen müssen.

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